Pressestimmen Kinderchor 2001/2002
Schlichtheit und Musikalität
Der berühmte Kinderchor des Gewandhauses zu Leipzig der exklusiv für die Schweiz in Montreux auftritt ist auf dem Podium mit 45 Mädchen und 4 Knaben zwischen 10 und 18 Jahren vertreten. Der junge Chorleiter Frank-Steffen Elster, selbst ein ehemaliges Mitglied des Chores, scheint kaum älter zu sein als seine Choristen! Und trotzdem hat er mit seiner schlichten aber wirkungsvollen Gestik und seiner aufmerksamen Präsenz
die Stimmen im Griff und bietet den erstaunten Zuhörern eine untadelige Intonation, komplexe Nuancen und eine tadellose Musikalität. Eine ehrfurchtgebietende Arbeit und eine Ernsthaftigkeit, die unseren Freunden jenseits des Rheins eigen ist.
Im ersten Teil singt der Chor klassische Lieder der Weihnachtszeit, darunter vor allem die berühmte Suite Ceremony of Carols von Benjamin Britten. Eingeführt und vollendet in Prozession durch die gregorianische Hymne der Weihnachtsvesper bezaubert dieses delikat dissonante Werk durch seine Musikalität und die Frische der Stimmen. Und die Lichter-Harfe der anmutigen Sophia Steckeler verbindet sich glücklich mit dem Chor.
Nach der Pause sind es nicht weniger als siebzehn klassische und populäre Weihnachtslieder, die, entweder ohne Musik oder begleitet durch die fachkundige Pianistin Sophie Gläser, das Publikum in Atem halten. Langer Applaus folgt der letzten Note, und der Chor singt als Zugabe schließlich das unumgängliche Stille Nacht, heilige Nacht.
La Presse Riviera/ Chablais (Montreux)
Geburtstagsständchen vom kühnen Chef-Grillschwan
[...] wenn man sich die Programme der letzten Jahre so besieht ist es schon erstaunlich, dass das hohe Haus seine eigene Geburtstags-Festwoche mit Musik des 20. Jahrhunderts einläutet. Wie kann das zu deuten sein, wenn nicht als Versprechen für die Zukunft? Man wird sehen [...] Die vereinigten Gewandhauschöre (mit neuem
Kammer- und großartigem Kinderchor) könnten in Sachen Homogenität noch ein wenig enger zusammenrücken. Aber Autorität, Strahlkraft, Klangqualität sind schon jetzt fabelhaft. Die Artikulation, Textverständlichkeit und dynamische Feinzeichnung, die Schuldt-Jensen seinen Vokal-Kollektiven anerzogen hat, brauchen ohnehin keinen Vergleich zu scheuen. [...] Zwei anständige Solisten (Christiane Libor und Thomas Wittig) und ein überraschender:Chorchef Schuldt-Jensen selbst schreit den erbarmungswürdigen Grill-Schwan. Kühn! [...]
(Peter Korfmacher, LVZ vom 6.Oktober 2001)
Zaubersprüche und Geschichten vom Igel (Im Rahmen von "L´Impression - Musik aus Frankreich")
Ein vielgestaltiges, gänzlich unkonventionelles Programm von internationalem Horizont bot Frank-Steffen Elster mit dem Gewandhaus-Kinderchor im Großen Saal. Die für Frauenstimmen und Orgel geschriebene Messe basse von Gabriel Fauré erklang von Beginn so schlicht und kindlich rein wie vom Komponisten gedacht [...].
Als echt empfunden erwiesen sich aber auch Poulencs fünf rührende Kindergeschichten [...] Denen schlossen sich die vier Stückchen aus Hanns Eislers in den USA für einen Mädchenchor geschriebenen Woodburry Liederbüchlein so selbstverständlich an, als hätten sich die gleichaltrigen Komponisten über den Ozean hinweg verabredet. Das war hier wie bei Béla Bartóks Zauberspruch nach einem altungarischen Volkslied und Petr Ebens Air aus Cantonis moralia der makellosen Wiedergabe zu danken [...]
Frank-Steffen Elster demonstrierte mit diesem Programm, welche Reichtümer die Chorliteratur für Kinderchöre bereit hält, zu welcher Höhe und Souveränität ein Kinderchor zu führen ist.
(Werner Wolf, LVZ vom 19. November 2001)

