Pressestimmen 2002/2003
Blomstedt hat das Licht am Ende des Tunnels fest im Blick
Und da auch die Brahms-Qualitäten des Gewandhausorchesters immer schon - und völlig zu Recht - gerühmt wurden [...] Tatsächlich ist er an diesem Donnerstag wieder berückend, der samtige, erdige, runde, warme, leuchtende Brahms-Sound [...] Und Chordirektor Morten Schuldt-Jensen, der bei der Einstudierung von Gewandhauschor und -kammerchor zu beinahe makelloser Homogenität geformt hat, bietet seinem Chef alles an, was der zur Dramatik braucht [...] Vielleicht liegt's mehr an den Noten auf Blomstedts Pult. Braucht er die nicht, dann kennt sein Musizieren kein Entrinnen. Wie in den Ecksätzen der ersten Sinfonie, um die Brahms so lange gerungen hat. Da lebt jederTon, atmet jede Pause, glüht jeder melodische Bogen, spricht jeder Rhythmus. Da bleibt keine Phrase ohne Bedeutung - und schließlich kein Herz im Publikum unberührt.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 14.09.02 (Brahms: 1. Sinfonie c-Moll)
So öffnet man Ohren für Klänge der Wollust
Wenn ein Dirigent sein Publikum so zur Moderne trägt, kommen auch die Leipziger gerne mit. Selbst zu Strawinskys "Sacre du Printemps" der auch nach 90 Jahren nichts an tönender Brisanz verloren hat [...] Respighis sensualistische Entwicklung und Strawinskys virtuose Montage bedingen völlig andere Klangbilder: hier Mischung, dort Nebeneinander, hier Reagieren, dort Behaupten. Hier antikes Monument, dort barbarische Wallung. Chailly gestaltet diese Unterschiede, als habe er vor und nach der Pause zwei unterschiedliche Orchester vor sich.
Chailly gibt auch physisch alles. Nur seine Zehen verlieren nie den Kontakt zum Boden. Sein Blick bohrt sich bis in die letzte Reihe, seine Hände umfassen das Riesenorchester mit Gesten, die kein Entrinnen zulassen - und doch wuchert der kommende Chef mit dem größten Pfund seines Orchesters: der Individualität. So hören wir nicht nur beglückende Soli (Peter Schurrock an der Klarinette, Gundel Jannemann-Fischer am Englisch Horn ...) - auch im dichtesten Getümmel blüht, bebt, atmet, lebt der warme Gewandhaus-Eigenklang.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 21.09.02 (Respighi: Pini di Roma, Strawinsky: Le Sacre du Printemps)
Die Grenzen des Fassbaren ausgereizt
Das Pult und Bühne so symbiotisch funktionieren, liegt wohl daran, dass Harding nicht übertreibt, sondern alles Ernstzunehmende so direkt wie möglich transportiert. Dass er Spannungen nicht bloß halbherzig aufbaut, dass er diese Musik lebendig macht. Die inneren Verwerfungen des Komponisten, die bittere Ironie, der ätzende Zynismus, die Zerreißproben für Musiker und Mensch in einer Person - wo hätte man das alles schon so gehört?
Ganz abgesehen von der genialen inhaltlichen Konzeption muss Daniel Harding das heerstarke Gewandhausorchester dafür auch technisch auf höchstem Niveau drangsalieren. Atemberaubende Tempi und halsbrecherische Rhythmen, grandiose Soli (Horn, Fagott, Englisch Horn, Bassklarinette) und punktgenaues Schlagwerk - all das fügt sich nahtlos zu einem Klangbild, das so dicht, berauschend und erschütternd selten im Gewandhaus zu fassen ist.
Christian Schmidt, Leipziger Volkszeitung, 28.09.02 (Schostakowitsch: 4. Sinfonie c-Moll op. 43)
Garrick Ohlssons bewundernswerte Klangkultur
[...] Überlegen bewältigt der Solist dabei auch komplizierte Akkordbildungen und -folgen als enorme Ausruckssteigerungen. Auch die choralartigen Hauptteile des langsamen Satzes, die Abschiedsstimmung ahnen lassen, klingen bei Ohlssons bewundernswerter Klangkultur glasklar. Dazu stimmt Herbert Blomstedts Auffassung des Orchesterparts mit dem Solisten überein. So erhält dieses zu den großen Werken des 20. Jahrhunderts gehörende Konzert solchen Beifall wie die Klassiker des Genres. Auf Klarheit der Gestaltung legt Herbert Blomstedt auch bei der vierten Sinfonie Anton Bruckners Wert. [...] Mit dem Scherzo [...] kommt pulsierendes Leben auf. Die Hörner, bald auch Trompeten und Posaunen glänzen. Die in den ersten beiden Sätzen sparsam eingesetzten Kräfte entfesselt Blomstedt in klangprächtigen Entwicklungen des Finales umso wirkungsvoller. [...] Da lässt er das Orchester glänzen.
Werner Wolf, Leipziger Volkszeitung, 5.10.2002 (Bartók: 3. Konzert für Klavier und Orchester, Bruckner: 4. Sinfonie Es-Dur)
Blomstedts Beethoven-Zyklus im Gewandhaus
Nicht neu, aber spritzig
[...] Die ersten Hürden seines Zyklus sind genommen, allerspätestens zu diesem zweimal restlos ausverkauften Großen Concert geht's mit der Vierten und der Fünften ans Eingemachte. [...] Sebastian Breuninger hat [Romanzen] übernommen. Er hat jeden Ton im Griff und geht beide Stücke federleicht an. [...] Der erste Konzertmeister ist zu famos weichem Ton führig und träumt sich schwebend, charmant durch diese Nebenwerke. [..] Blomstedts Wiener Klassiker ist keinesfalls progressiv, manchmal geradezu konservativ. Trotzdem bleibt das Ergebnis schlüssig und kraftvoll - mit einer gehörigen Portion Spannung. [...] Die immer noch bisweilen "Schicksals-Motiv" genannte Eröffnung wiegt schwer. Doch wenn Blomstedt anschließend Gewichte so gezielt verteilt, wird daraus keine klebrige Romantik-Soße, sondern ein energiegeladener Kraftraum. Richtig prächtig gelingt der Übergang vom dritten zum vierten Satz. Bei der "griechisch-schlanken" Vierten lässt der Gewandhauskapellmeister nichts anbrennen. Die langsame Einleitung knistert wunderbar, Allegro vivace und später das aufwühlende Allegro ma non troppo haben Schmiss, und der dritte Satz ist angenehm gestrafft. Leipzigs Beethoven 2002 zeigt sich gut in Form [...]
Johannes Brandt, Leipziger Volkszeitung, 12.10.2002 (Beethoven: 4. Sinfonie B-Dur, Romanzen G-Dur und F-Dur für Violine und Orchester sowie 5. Sinfonie c-Moll)
Edle Brillanz vollendeter Musizierkunst feiert Mendelssohn
Bei Festtagen zu Ehren des Romantikers und berühmtesten Gewandhauskapellmeisters klotzt Leipzig mit sich selbst und zeigt in Momenten sogar Weltklasse
Mendelssohn war wieder in Leipzig und dieses Mal auch ungefähr so, wie es ihm gebührt. [...] Der monumentale Schlussakt bleibt freilich Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt und dem Gewandhausorchester im rappelvollen Großen Saal überlassen, nicht ohne einen alten Bekannten: Peter Rösel. Der ehemalige Gewandhauspianist nähert sich Mendelssohns zweitem Klavierkonzert gewohnt unaufdringlich, doch nicht ohne Schmiss. Die Finger absolvieren gekonnt die Läufe, die Wärme des Adagio verbreitet sich eindrucksvoll [...] Blomstedts Glanzstück kommt nach der Pause. Wenn der Schwede einen Romantiker auswendig dirigiert, ist das meist ein Ereignis, erst recht bei Schumanns sogenannter Vierter. Geradezu wollüstig rauscht sich das Gewandhausorchester durch den Orkan der Partitur und zeigt sich von seiner besten Seite: Präzise, aber kraftvolle Streicher und eine emphatische Blasabteilung in guter Form. Das macht von Anfang an Spaß und durchdringt den ersten Satz mit viel Energie, taucht die Romanze in schönste Farben und lässt schließlich den alles entscheidenden Übergang vom Scherzo ins Finale mit viel Glanz und Gloria erstrahlen. Schöne Festtage!
Johannes Brandt, Leipziger Volkszeitung, 5.11.2002 (Bartholdy: Das Märchen von der schönen Melsuine sowie 2. Konzert für Klavier und Orchester, Schumann: 4. Sinfonie d-Moll)
Walkürenritt in Bayreuth-Format
Diesen Walkürenritt durchtobten der wütende Zorn Wotans und die panische Angst der Walküren vor dem rasenden Göttervater in aller Wildheit. Bestürzender lässt sich diese über Berlioz´ Dämonen hinaus wirkende Musik Richard Wagners kaum spielen als im Gewandhauskonzert unter Lothar Zagrosek. Der einstige Leipziger Opern-Chefdirigent behielt die entfesselten Gewalten stets unter Kontrolle, Blech- wie Holzbläser, Streicher und Schlagwerk musizierten im Bayreuth-Format. [...] Vor dem grandiosen Finale glänzten der Dirigent und das Orchester mit Richard Strauss' "Don Juan". Der Titelheld stürmte mit jugendlichem Überschwang einher und schwelgte in berückend schön klingenden Zärtlichkeiten. Dem fast schüchtern wirkenden ersten Hornkonzert des vitalen Müncheners gewann Zagrosek mit der makellos blasenden Solistin Marie Luise Neunecker alle Liebenswürdigkeit des noch auf klassizistischen Bahnen wandelnden Stückes ab.
Werner Wolf, Leipziger Volkszeitung, 9.11.2002 (Mozart: Sinfonie g-Moll, Strass: 1. Konzert für Horn und Orchester, Wagner: Stücke aus der Oper "Die Walküre")
Herreweghe am Pult des Gewandhausorchesters
Philippe Herreweghe ist natürlich auch nur ein Mensch, wenn auch einer, der es geradezu himmlisch geschafft hat, aus schnöden Barock-Noten unvollendete Musik zu machen. [...] Er ist einer, dem Bach einiges zu verdanken hat, schließlich ergründete der sympathische Belgier die entlegensten Winkel Bachscher Tiefe und Brillanz, die Wahrheit und die Klarheit. [...] Herreweghe bemüht sich in der dritten Orchestersuite BWV 1068 um durchsichtige Linien und schafft so zumindest ein mehr als achtbares Ergebnis mit zweifellos betörenden Augenblicken. Das gilt ebenso für die recht dunkle und nicht längenlose Kantate "Mein Herze schwimmt im Blut". [...] Wunderbar folgt ihr da eine schwerelose Oboe [...] Klare Pluspunkte: Der um absolute Durchsichtigkeit bemühte Klang, die spritzige Unbekümmertheit, der Esprit wunderbarer Landschaften.
Johannes Brandt, Leipziger Volkszeitung, 16.11.2002 (Bach: Ouvertüre D-Dur BW 1068, Kantate "Mein Herze schwimmt im Blut", Schumann: 1. Sinfonie B-Dur)
Süßer die Märchen nie klingen
Im ausverkauften großen Gewandhaussaal kann man die sprichwörtliche Stecknadel zu Boden fallen hören. [...]Diese Insel wehmütiger Stille steht als Ruhepol im Programm der Festlichen Musik für Unicef, zu der Gewandhaus, LVZ und Verbundnetz Gas alljährlich zum ersten Advent einladen. Und sie gibt dem gewohnt charmant moderierenden Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt inmitten all der Herrlichkeiten von "Märchen in der Musik" Gelegenheit, an den ernsten Hintergrund der Veranstaltung hinzuweisen [...] Mozarts quirlende "Zauberflöten"-Ouvertüre, Mendelssohns volltönende "Schöne Melusine", Nielsens kühn schillernde Orientstudien aus "Aladdin" - das alles ist Musik ganz nach Geschmack und Fähigkeiten des Gewandhausorchesters. [...] Und alle lassen sich vom guten Zweck und vom brillanten Sujet anstecken, ihre Instrumente nicht zu spielen, sondern zu singen, ja sprechen zu lassen. [...] Ob die Streicher als Peter, die wunderbare Cornelia Grohmann samt Flöte auf den Spuren des Vogels - alles ist am rechten Platz und lässt dennoch hinreichend Luft für die respektlosen Schlenkerlein der Textfassung Loriots.
P. Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 3.12.2002, Festliche Musik zugunsten von UNICEF
Manchmal ist die Welt der Erlösung nah
Ein Messias kommt selten allein, erst Recht zur Vorweihnachtszeit. Nach gut 250 Jahren hat sich Händels oratorische Hit-Sammlung so fest im Repertoire manifestiert, dass nur berühmte Thomaskantoren mithalten können. [...] Auch dieses mal sind die Ränge voll.[...] So ein "Messiah" steht und fällt mit der Gesangsabteilung - und da gibt's [..] nicht viel auszusetzen. Allein Altus Michael Chance ist den Eintritt wert. Denn er versteht es auf verzückende Weise, genau den Ton zu erzeugen, der dieser Epoche gerecht wird. [...] Wenn der Brite singt, hat das die umwerfende Mixtur aus Innigkeit und Arroganz, die Händel so geliebt haben muss. [...] John Roderick MacDonalds wunderbar entrückte Solo-Trompete ist aber wieder schlicht von einem anderen Stern. Und Tenor Christoph Grenz löst derweil seinen überschaubaren Part mit Bravour und Emphase.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 7.12.2002 (Händel: Messias)
Bachs entrückte Kantaten - schöner Soundtrack zum Fest
Kein Platz bleibt leer, auch verhältnismäßig hohe Karten-Preise werden gern in Kauf genommen. Denn Bachs entrückte Kantaten sind für viele längst der unverzichtbare Soundtrack zum Fest. [...] Auch der 16. nach dem Großmeister muss manchmal der Umwelt Tribut zollen: Georg Christoph Biller ist krank und gab so kurzerhand den Dirigierstab an Gotthold Schwarz weiter. [...] Denn sein Weihnachtsoratorium ist mehr als ansehnlich und so gut wie keine Minute langweilig. Das komplette Ensemble hat er hervorragend im Griff und scheut sich auch nicht, an manchen Stellen mal richtig aufs Pedal zu treten. So macht "Jauchzet, frohlocket" gleich richtig Spaß und "Ehre sei Gott in der Höhe" Lust auf mehr - Schwarz hält, was er verspricht. [...] Susanne Krumbiegel muss die größten Soloparts bewältigen und weiß mit ihren Arien durchaus etwas anzufangen. [...] ihre Momente hat sie: "Schlafe, mein Liebster" entlädt sich besinnlich, und "Schließe, mein Herze" fließt wunderbar. Frank-Michael Erbens warme Solo-Violine besorgt den Rest. Auch die anderen Solisten bleiben nicht viel schuldig. [...] Denn auch das Gewandhausorchester präsentiert sich in überaus respektabler Barockform. [...] Eine rundum schöne Geschichte.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 14.12.2002 (Bach: Weihnachtsoratorium, Kantaten I - III)
McFerrin dirigierte in Leipzig
Im Prinzip ist es nur ein Nachschlag: Bobby McFerrin hat schon letzten Mittwoch alles Erdenkliche vollbracht. Sein Dirigat des Gewandhausorchesters am Wochenende ist mehr eine nette Zugabe [...]
Allein sein natürliches Charisma reicht, um fast jedem Musikus ein leichtes Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Und das ist jederzeit hörbar. [...]
Prokofjews Erste besticht durch klare Struktur, Wohlklang und jede Menge Witz. Also genau so, wie sie komponiert wurde. So kalkuliert der Russe seine "Symphonie classique" auch angelegt hat, so kurzweilig und verschmitzt kommt sie daher. [...] Denn Mozarts große g-moll-Sinfonie versprüht viel Eleganz und Charme. [...] Zuletzt steckt McFerrin den Stab in die Lockenpracht und applaudiert der Musikstadt Leipzig. Vorzüglicher Nachtisch.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 23.12.02 (Prokofjew: 1. Sinfonie D-Dur, Ravel: Tombeau de Couperin, McFerrin: A-Capella-Improvisationen, Mozart: Sinfonie in g-Moll)
Beethoven, wie er aufschäumt, aufrüttelt, berührt
Gestern abend, wie immer zum Jahreswechsel, aber noch besser als sonst: Beethovens Neunte
Herbert Blomstedt absolviert einen ganzen Beethoven-Zyklus. Und es ist der bisher ergreifendste Moment seiner Reise. Der Gewandhauskapellmeister nähert sich dem Wiener Klassiker mit Vorsicht und Zurückhaltung, bemüht sich aber erkennbar, ihm moderne Konturen anzulegen. [...]
Schon der Eingangssatz ist eine Wonne. Spannungsgeladen werfen sich Streicher ihre kargen Fetzen zu, die Durchführung knistert vor Feuer. [...] Geradezu traumhaft wandelt das herrliche Adagio zum großen Finale, mit einer schwelgerischen, aber niemals langatmigen Ruhe. So ist der Weg geebnet für einen prunkvollen Schluss, wo Blomstedt dem Affen richtig Zucker gibt, ohne klare Sicht und Linie zu vergessen. [...] Und die gesammelten Chöre vom Gewandhaus und MDR singen die bestialischen Partien, dass manche Tonträger-Konkurrenz rot anlaufen müsste. Aber das ist wirklich nichts Neues, schließlich leistet Chor-Chef Morten Schuldt-Jensen schon das ganze Jahr über exquisite Arbeit.
Wer an diesem Abend Haare in der Suppe finden will, kann ruhig suchen. [...] Die Gewandhäusler präsentieren sich zum Jahreswechsel in Hochform. Ein großer Wurf!
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 30.12.2002 (Beethoven: 9. Sinfonie d-Moll)
So schön und witzig kann Völlerei sein
Meret Becker kommt barfuß und in überschaubarer Bekleidung auf die Bühne des fast ausverkauften Gewandhauses. [...] Auf der anderen Seite stehen die Jungs vom ensemble amarcord, am Pult Broadway-und Hollywood-Experte John Mauceri, und vor ihm sitzt das Gewandhausorchester. [...] Es ist in dieser Konstellation eines der spannendsten Programme, die am Augustusplatz in dieser Saison gegeben werden. Denn so viele Gegensätze auf einer Bühne finden sich da selten. Das muss nicht unbedingt gut gehen, aber es geht - und wie! [...] Becker ist es möglich, mit ihrem zierlichen Organ den schizophrenen und zerbrechlichen Anna-Kern zu treffen, der diese Werk so faszinierend macht. [...] Ein geradezu piepsliches Vibrato in den Höhen, voller unterschlagener Zerbrechlichkeit, die so nah am Abgrund tänzelt. Doch die Töne stimmen, und es ist nicht virtuoser Mangel, sondern Emphase und Ausdruck - Kunst eben, die funktioniert. Solche Experimente stehen dem Gewandhaus gut zu Gesicht. [...] Die Leipziger Vokalakrobaten spielen stimmtechnisch natürlich in einer ganz anderen Liga. Und als garstige Familienbande taugen sie auch zu viert [...] Wunderbarer Höhepunkt: Das Fressmadrigal in vollkommener Renaissance-Manier. So schön und witzig kann Völlerei sein. Dirigent Mauceri bemüht sich im Sündenpfuhl erfolgreich um Ausgeglichenheit. Dabei zeigt sich, dass der Amerikaner mit einigen Wassern gewaschen ist und über ein exzellentes cineastisches Gespür verfügt. Denn schließlich kann auch Filmmusik mit einem riesigen und sehr gut aufgelegten Gewandhausorchester richtig Spaß machen.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 13.1.2003 (Weill: Die sieben Todsünden sowie Musik aus berühmten Hollywood-Filmen)
Blomstedts Leipziger Zyklus mit Sinfonien 6 und 7 auf der Zielgeraden
Der Applaus ist erheblich. Hier und da gellt ein Bravo. Hier und da hält es einen Gewandhausbesucher nicht mehr auf dem Sitzkissen. Herbert Blomstedt schaut zufrieden in den (zweimal) ausverkauften Saal. Und dafür gibt es gute Gründe: Sein Beethoven, jener Titan, auf dessen humanistische Vision der amtierende Gewandhauskapellmeister so große Stücke hält, hat sein Publikum wieder erreicht. [...] Für die Sechste beispielsweise, die berühmte Pastorale, hat sich der Hausherr trotz des vergleichsweise riesigen Apparats (16 erste Geigen, 8 Kontrabässe ...) ganz auf schlanken, transparenten, hellen, beweglichen Klang konzentriert. Und die Rechnung geht [...] prächtig auf. Unbewusste Vibrato-Reflexe kommen beinahe gar nicht mehr vor. Blomstedt kann betörende dynamische Effekte umsetzen, kann einzelnen Linien nachsinnen, ohne dass ihm der Rest aus dem Ruder geriete. [...] So elegant, so linear, so klassisch hat die Sechste im Gewandhaus schon lange nicht mehr geklungen.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 18.1.2003 (Beethoven: 6. Sinfonie F-Dur op. 68, 7. Sinfonie A-Dur op. 92)
Hartmut Haenchen und Isabelle van Keulen im Großen Gewandhaus-Concert voller Trauermusik
Hartmut Haenchen [...] hat ein großartig konzipiertes Programm mitgebracht. Musik der Trauer, des Schmerzes, der eigenen Hilflosigkeit. Kein Wohlfühlprogramm also, sondern eins zum intensiven Miterleben. Aber die Eindringlichkeit, mit der Geigerin Isabelle van Keulen da mit uneitler Wahrhaftigkeit den Solopart von Hartmanns (1905 - 1963) "Concerto funebre" für Violine und Streicher singt, macht die Menschen empfänglich für die Schönheit dieser klagenden Linien, für die Wut seiner Ballungen, für die Resignation des trotzig angehängten Schlussakkords. Und die Streicher um Christian Funke spielen [..] mit. Sie musizieren sinnlich und diszipliniert, ziehen sich weitgehend hinter der atemberaubenden Solistin zurück [...] Aber das kommt Hartmanns tönender Trauerarbeit eher entgegen als das es störte. In Mahlers "Totenfeier", einer früheren Inkarnation des Kopfsatzes der Zweiten, kann ein Klangkörper ungleich mehr zeigen. Und das Gewandhausorchester zeigt vor allem eines: Es ist ein Mahlerorchester. [...] Hhier fühlen sich die Musiker so heimisch, dass sie nicht mehr über Noten nachdenken, sondern den subtilen Impulsen des intelligent und sinnlich die vielen Töne sortierenden Haenchen folgen können. Erstklassig. Finaler Jubel.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 25.1.2003 (Mozart: Maurerische Trauermusik, Strauss: Metamorphosen - Studie für 23 Solostreicher, Hartmann: Concerto funebre für Violine und Streichorchester, Mahler: Sinfonische Dichtung "Totenfeier")
Die Bratsche, leicht wie ein Elfentanz
Kim Kashkashian hat [..] ihre Liebe in den Klangkörper [Anm.: Viola] gesteckt und sich zum Großen Concert im ausverkauften Gewandhaus Bartóks Konzert für Viola und Orchester vorgenommen. Es sind praktisch die letzten Lebenszeichen des wegweisenden Ungarn. Doch bei aller Hast und Zerrissenheit dieser Musik erweist sie sich am Ende doch als bittersüßer Abschiedsbrief voller Wärme, Entzücken und Heimatliebe. Auf diesen Spuren wandelt Kashkashian unaufgeregt und spielt sich durch die unwegsame Partitur mit der schwebenden Leichtigkeit tanzender Elfen. Nicht zum kleinsten Hauch von Pathos lässt sie sich hinreißen und vermittelt dieses letzte Opus voller Optimismus und Innigkeit. [...] Da schallt das eine oder andere "Bravo!" durchs Gewandhaus, Moderne kann eben auch berühren. [...] Wenn Blomstedt zu seinen Nordländern greift [Anm.: Sibelius 2. Sinfonie], dann ist das Ergebnis [...] richtig gut, und dieses Mal bildet keine Ausnahme. Da schöpft der Kapellmeister aus dem Vollen: Schon das Allegretto stürmt famos ins Ungewisse, der zweite Satz entrückt zur aufregenden Traumreise, und die Schlusssätze kulminieren in einer Apotheose unberechenbarer Naturgewalten. Ein kraftvoller Strahl vom Polar, fassbar, aber unheimlich energiegeladen.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 1.2.2003 (Haydn: 86. Sinfonie D-Dur, Bartók: Konzert für Viola und Orchester, Sibelius: 2. Sinfonie D-Dur)
Große Musik für kleines Geld: 10 Euro-Konzert im Gewandhaus
Wenn die Liebe ruft, darf's eben gern mal Haydn sein
Große Musik für wenig Geld: Herbert Blomstedt hat am Wochenende mit seinen Gewandhäuslern höchstpersönlich den Startschuss zu einer neuen Reihe gegeben: Für 10 Euro Ticketpreis steht künftig an diesen Abenden der Musiktempel am Augustusplatz den Musikfreunden zur Verfügung. Das soll den Gewandhausbesuch auch denen ermöglichen, die sich das Große Concert nicht leisten können. Und tatsächlich: Man sieht neue Gesichter, und das eine oder andere ist auch etwas jünger als beim Abo-Konzert. [...] Blomstedts Musiker liefern alles andere als Fließbandarbeit ab. Beethovens Siebte beschreiten sie gekonnt mit allem Pathos und Brumbumm zu einem festlichen Finale [...]. Dafür gibt's zu Recht viel Jubel. Eine schöne Aktion, schließlich ist das Gewandhausorchester für alle da.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 4.2.2003 (Haydn: 86. Sinfonie, Beethoven: 7. Sinfonie A-Dur)
Innige Choräle, schlichte Geige, brillantes Blech
Zur programmatischen Gestaltung von Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" und Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung" fallen [..] die russischem Kirchengesang abgelauschten schwermütigen "Choralsätze" für Pater Lorenzo und den Kirchtum am "Großen Tor von Kiew" ins Ohr. Insgesamt aber betont der Tscheche [Anm.: Dirigent Jirí Belohlávek] das eigenständige Profil dieser Komponisten. [...] Bedacht disponiert er [..] den Bläserchorus vom "Großen Tor" vom glanzvollen Mezzopforte bis zum pompösen Schlussakkord. Jedes der zehn Bilder und der Zwischenspiele kostet er mit all den Feinheiten der Ravel-Instrumentation aus. Als Solisten zeichnen sich der geschmeidige und ohne Vibrato singende Saxofonist Bernd Brückner, Jürgen Bednarz mit dem melancholischen Tubalied des Ochsenkarrenkutschers, Roderick McDonald mit dem ängstlich zitternden Trompetenpart des armen Schmuyle, die mystischen Blechbläser der römischen Katakomben, nicht zuletzt der meisterliche Fagottist Thomas Reinhardt aus. [...] Spontane Bravo-Rufe nach dem "Großen Tor".
Werner Wolf, Leipziger Volkszeitung, 8.2.2003 (Tschaikowski: Romeo und Julia, Bruch: 1. Konzert für Violine und Orchester g-Moll, Mussorgski: Bilder einer Ausstellung)
Jugend sucht höhere Mächte
Zu diesem ausverkauften Großen Concert haben sich mit Daniel Harding und Lars Vogt zwei Vertreter der jüngeren Generation angesagt, und die gehören sicher zum besten an Nachwuchs, was sich derzeit in deutschen Landen tummelt. [...] Das so genannte erste Klavierkonzert op. 15 des Wiener Klassikers lässt spätere Großtaten erahnen, atmet aber unverhohlen den frischen Geist Mozarts mit allen seinen Vorzügen. Bei aller Reinheit bleibt es trotzdem Virtuosenmusik, und genau das haben die beiden Aufsteiger dankenswerterweise bedacht. Da fällt viel Last vom monumentalen Beethoven, ohne dass etwas vom verwunschenen Esprit auf der Strecke bliebe. Vogt ist am Klavier Charmeur und Witzbold in einem. [...] Da trägt auch Harding seinen Teil bei, indem er sich aufs Wesentliche beschränkt und den Gewandhäuslern einen transparenten Klang entlockt.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 15.2.2003 (Beethoven: 1. Konzert für Klavier und Orchester C-Dur, Bruckner: 7. Sinfonie E-Dur)
Zum Guten Schluss ist das Glück fast vollkommen
Gestern abend beispielsweise. Da hat Chordirektor Morton Schuldt-Jensen in perfekter tonartlicher, stilistischer und inhaltlicher Ausgewogenheit den Bogen vom 18. ins 20. Jahrhundert geschlagen. [...] Das ist als Konzept wunderbar, aber erst die halbe Miete. Weil es ja auch hier darauf ankommt, was zu hören ist. Und auch in dieser Beziehung lässt Schuldt-Jensen, der erstmals im Großen Concert das Gewandhausorchester dirigiert, nichts anbrennen. [...] Poulencs sinnliche Klarheit, Schuberts romantische Emphase, Poulencs dramatische Effekte, Schuberts kantige Fugen - all das gießt Schuldt-Jensen in betörend klare Linien, in berückende Klänge, in famose Textverständlichkeit, in beglückende Reinheit. [...] Ansonsten folgen die prächtig aufgelegten Instrumentalisten rund um Konzertmeister Sebastian Breuninger dem Lordsiegelbewahrer des Vokalen am Gewandhaus klanglich und stilistisch geschmeidig und gekonnt. [...] Eine Klasse für sich ist Marika Schönberg vom Leipziger Opernensemble [...] Im "Agnus Dei" verschmelzen die Solisten wunderbar zum Ensemble. Und wenn Schubert über c-moll wieder bei Es-Dur angekommen ist, ist das musikalische Glück [...] beinahe vollkommen. Mehr davon!
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 22.2.2003 (Poulenc: Stabat Mater, Mozart: Adagio und Fuge c-Moll, Schubert: Messe Es-Dur)
Unter zarter Naturlyrik bebt die Erde.
Ein Triumph: Riccardo Chailly, designierter 19. Gewandhauskapellmeister, dirigierte im Großen Concert Mahlers Siebte.
So geht ausverkauft: Pappschilder, auf die Verzweifelte ein letztes "Suche Karte!" gekritzelt haben, lange Schlangen allüberall - und die wenigen nicht abgeholten Tickets sind so begehrt, dass an der Abendkasse im Klingerfoyer Handgreiflichkeiten in der Luft liegen. Riccardo Chailly ist also wieder in Leipzig. Aber seit Dienstag hat sein Dasein eine andere Qualität. Der gefeierte Star aus Mailand hat unterschrieben, ist nicht mehr der potenzielle designierte 19. Gewandhauskapellmeister. Er hat sein Versprechen musikalischer Extraklasse Schwarz auf Weiß neben das von Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee gesetzt [...]
Mahlers Siebte steht an diesem Donnerstag und Freitag auf dem Programm des Großen Concerts. Jenes bizarr besetzte Monstrum, das selbst eingefleischte Mahler-Jünger in Erklärungsnöte stürzt [...]
Hier lauert hinter jeder Ecke der Absturz. Nimmt der Dirigent sich nicht in Acht, gleitet er schnell ins Banale ab. Übt er nicht eiserne Disziplin, klingt die C-Dur-Emphase des Finales bestenfalls nach Filmmusik. Sind die Bläser nicht mindestens Weltklasse, verwsichen die Farben. Zur Solotrompete bemerkte Mahler selbst sie müsste "vorzüglich sein". Und das gilt von der Solovioline bis zu den Kuhglocken eigentlich für alle Beteiligten. [...] Dies alles berücksichtigend zeugt es einerseits von Blomstedts Größe, dass er Chailly ausgerechnet mit dieser Sinfonie in seinen eigenen Mahler-Zyklus eindringen lässt. Andererseits ist es auch versteckte Botschaft: wenn er das hinbekommt, ist er ein mehr als würdiger Nachfolger.
Das ist Riccardo Chailly ohne jeden Zweifel. [...] Kaum das die langen, strahlenden, schwelgenden, singenden Bögen der Violinen ins Behagliche abzugleiten drohen, blendet er mit magisch formenden Händen und hypnotischem Blick über, reißt Löcher auf, die die Sicht auf den brodelnden, verstörenden, gefährdeten Untergrund freigeben. Selbst unter der zarten Naturlyrik der zweiten Nachtmusik bebt die Erde. Über dem flirrenden Sarkasmus des zentralen Danse macabre brennt die Luft. [...] Und den C-Dur-Jubel des Schlusses lädt der amtierende Chefdirigent des Concertgebouworktest in Amsterdam nach all der komplexen Symmetrie in fünf Sätzen mit so viel geräuschhafter Brisanz auf, dass selbst den Triumph noch die Panik würgt. Das ist in dieser absoluten und existenziellen Unbedingtheit ein gleichermaßen kühnes wie ungewohntes Konzept. Aber es geht auf. [...]
Aus allen Ecken kommen wunderbare Soli (Konzertmeister, Frank-Michael Erben, Bratsche, Tenorhorn, Horn, Klarinetten ...). Die Farben, die Wucht, die Tiefe des Gewandhausklangs sind für Mahler wie geschaffen. Und man kann sich kaum genug freuen auf das, was Chailly aus diesem Material alles formen können wird.
Folgerichtig tobt nach dem Schlussakkord der Saal wie schon lange nicht mehr. Bravi, stehender Jubel, lächelnde Musiker - und ein Dirigent, der vor lauter Freude über die Wärme auf der Bühne und im Saal ausgelassen auf seinem Podest tänzelt. Der den Musikern Kusshändchen zuwirft und am liebsten den ganzen Saal umarmen würde.
Dennoch: Wir alle sollten die kommenden gut zwei Jahre nicht als Chailly lange Startbahn sehen, sondern als wichtigen Bestanteil der Ära Blomstedt, die mehr war und ist, als ein Interim. Das hilft Blomstedt, der sich bemerkenswert kollegial positioniert. Das hilft dem Orchester. Dadurch hilft es auch Chailly - und der Musikstadt Leipzig.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 5. April 2003 (Mahler, 7. Sinfonie)
Viel Seele, Gewalt und Leichtigkeit
Wolff nimmt diese Späße ernst aber nicht zu ernst und liefert mit dem [...] glänzenden Gewandhausorchester kurzweilige Unterhaltung [Haydn, 96. Sinfonie], die in fast jeder Minute die Eleganz von Leichtigkeit und ungetrübten Vergnügen vermittelt [...] Frank Michael Erben umkreist gewohnt souverän die Gipfel der Landschafts-Partitur [Vaughan Williams, "A lark ascending"] ohne in falschem Pathos oder gar Effekthascherei zu enden. Gerade in den ganz entrückten Passagen produziert er einen samtenen Ton, der über jede Zweifel erhaben ist.
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 12. April 2003
Jede Linie wird Melodie.....
Zart und kraftvoll zugleich umschließt Midoris Körper das 270 Jahre alte Instrument. Jeden Ton formt sie individuell aus, verleiht ihm Farbe, Intensität und Sinnlichkeit. Jede Linie wird Melodie, jede Melodie Gesang [...] Dieses künstlerische Konzept kann nur aufgehen, weil der elegant, beherrscht und reich schlagende Andrew Davis am Pult den Part des Gewandhausorchesters nicht als Begleitung auffasst, sondern als Dialogbeitrag [...] Davis knetet geschmeidig das Tempo, bringt Struktur und Logik in die Partitur. Und vor allem: Schönheit. Dabei hilft ihm ein Weltklasseorchester, das bei Elgar auf den Spuren Midoris in Pianissimo-Pastell-Tönen glänzt wie kaum je zuvor[...]
Kaum ein Makel fast nirgends: Fabelhaftes Holz, wunderbare Streicher rund um den Konzertmeister Christian Funke, exzellente Trompeten im meist makellosen Blech...
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 26.April 2003 [Elgar, Violinkonzert op. 61]
Hier laufen die Fäden eines Jahrunderts sinnlich zusammen
An diesen Donnerstag und Freitag reißt es die Menschen von den Stühlen. Bravi gellen durch den Saal wie zuletzt nur bei den Besuchern des kommenden Gewandhauskapellmeisters Riccardo Chailly [...] Das Programmkonzept geht auf , weil es wirkungsvoll ist, aber nicht populistisch, lehrreich aber nicht belehrend. Und weil Fisch die Freude am eigenen Tun der Gewandhausmusiker überträgt [...] Ausnahme-Solotrompeter John-Roderick McDonald bläst das fabelhaft. Das können nur wenige Orchester aus den eigenen Reihen so vollkommen besetzen [...]
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 3.Mai 2003
Neue Zeit der alten Wilden
Im Gewandhausorganisten Michael Schönheit hat der Brite einen verständigen Mitstreiter gefunden, der seinen Hindemith [ Konzert für Orgel und Orchester] mit Akkuratesse studiert hat. Seine schlaue Registrierung nimmt stets Bezug auf die orchestralen Farben [...] Dennoch beeindrucken die Gewandhäusler die wahrnehmungsbreite Publikumshälfte mit elektrisierenden, selbst verantworten Höhenflügen. Wer nur das Wann diktiert bekommt, denkt sich selbst ein Wie aus [...]
Christian Schmidt, Leipziger Volkszeitung, 10.Mai 2003
Holländer fliegt über die Saiten
[..] Weltcellist Peter Wispelwey meistert zum Großen Concert einen Schumann, wie ihn im restlos ausverkauften Gewandhaus wirklich noch keiner gespielt hat. Eine selbstbewusste Variante des Schumannschen Spätwerks legt der so verschmitzt Grinsende an den Tag, prügelt dem manchmal so dichten Koloss der Cellokonzertliteratur jede Spur von Pathos und Schwammigkeit aus und betritt genau durchdachte neue Bahnen, voller Innigkeit und Hingabe [...]
Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 24.Mai 2003
Mit Akkordschlägen neben der Zeit in die Zukunft
Und mit diesem Konzert im Ohr ist der Befund eindeutig: Blomstedts Beethoven ist schlüssig, tief stilistisch beispielhaft, in vielerlei Hinsicht vollkommen [...] Drahtige Dramatik und beseelte Transparenz sind die Schlagworte, unter denen sich Blomstedts Sicht auf die vergleichsweise heiteren Sinfonien zusammenfassen ließe. Der Gewandhauskapellmeister setzt auf scharfe Kontraste - überzieht aber auch niemals so, dass sie den motorischen Fluss hemmten [...] Dieses Konzept kann nur mit einem Weltklasse Orchester aufgehen [...] Für eine Sternstunde sind diesmal auch die Holzbläser gut. In beiden Sinfonien sind sie als Ganzes wie solistisch die Wonne selbst [...]
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 21.Juni 2003
Der apokalyptische Hieb kappt jede Hoffnung
[...] Die Streicher um Konzertmeister Sebastian Breuninger lassen sinnlich die Saiten glühen. Den Holzbläsern gelingen im Andante moderato traumschöne Soli. Die Schlagwerker leisten erstklassige Knochenarbeit [...]
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 28.Juni 2003

