Pressestimmen 2000/2001
Im zweiten Satz dagegen imponieren vor allem die Holzbläser, vorneweg die wunderbare Oboe, mit fließenden und dennoch wehmütigen Melodien, die hier allerdings nicht marschieren, sondern eher in der abendlichen Sommersonne spazieren gehen. [...]Aber Haenchen führt seine Musiker unbeirrt und unaufhaltsam zum Kulminationspunkt, jenem Aufschrei in dreifachem Forte, dem eine Generalpause folgt, die noch dreimal schreiender ist. Doch ehe das Blut in den Adern erstarrt, taucht die Oboe wieder auf, leise und tröstlich, um uns mit dem Geschehenen zu versöhnen.
(Schubert, Große Sinfonie in C-Dur), Marcus Erb-Szymanski, Leipziger Almanach, 5. Mai 2001
Auf ureigenstem Terrain bewegten sich die Gewandhäusler in Felix Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouverture und in der Schottischen Sinfonie. Wunderbar, das Wechselspiel zwischen Streichern und Bläsern, das gelöste und organische Musizieren mit seinen zahlreichen blitzenden Höhepunkten. [...]. Selten spielten die von der Musik überaus inspirierten Gewandhäusler zugleich so diszipliniert und klangbewusst wie in der Schottischen. Ein großartiger Abend.
Jörg Clemen, Leipziger Volkszeitung, 5. Juni 2001
Herbert Blomstedt meidet allzu lange Gerade wie im ersten und zweiten Tanz, steuert dagegen immer wieder überraschend in scharfe Kurven (Nr. 4 und Nr. 8). Der Lokomotiv-begeisterte Dvorak hätte seine Freude gehabt. [...]. Streckenweise steckt das berühmte böhmische Musikantentum deshalb schlicht im Stau. Bloß gut, das Blomstedt sich selbst immer wieder in Fahrt bringt, für rasante Abfahrten und Ankünfte sorgt. Immer dann reiste das Publikum erster Klasse.
(Dvorak, Slawische Tänze), Jörg Clemen, Leipziger Volkszeitung, 23. Juni 2001
Hartmut Haenchen jedenfalls hat mit seiner Sicht auf Schuberts "Große" im vor ungeteilter Begeisterung brodelnden Gewandhaus mit virtuosem Furor jedes Gezanke um Darm- oder Stahlseiten, [...] von der Tagesordnung gefegt. [...] Dann entstehen musikalische Glücksmomente. Dann funkelt und glänzt das Gewandhausorchester wie schon lange nicht mehr. [...] Dann kann es plötzlich alles spielen.
(Schubert, Große Sinfonie C-Dur) Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 28.04.01
"Man kann mit dem Gewandhausorchester sofort eintauchen in die Arbeit. Die Atmosphäre ist wärmer, menschlicher, persönlicher als bei den meisten anderen Orchestern [...] Ich habe eine tolle Besetzung, ein Programm das mir am Herzen liegt. Dieses Konzert würde ich immer annehmen. Es ist eigentlich mehr Vergnügen als Arbeit.
(Hartmut Haenchen, Gastdirigent im Gewandhaus) Interview: Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 25.04.01
Nagano hat sich als Dirigent international auch auf dem Gebiet der Sinfonik etabliert. Wie gut er das kann zeigt er mit dem Gewandhausorchester und Schostakowitschs Zehnter. Dieses schicksalsträchtige Opus verlangt schon rein physisch einige Kondition von Dirigent und Orchester. Doch Nagano ist ein Energiebündel mit schier unerschöpflicher Kraft an der er auch die Musiker teilhaben läßt. Wunderbar in Form sind die Bläser: zarter Posauneneinstieg im ersten Satz, bezauberndes Holz im Allegretto. Schade, dass das Horn im dritten Satz wackelt. Begeisterter Applaus [...] entusiastischer Jubel nach Schostakowitsch für großartige Musik, großartige Musiker und einen großartigen Dirigenten.
Birgit Hendrich, Leipziger Volkszeitung, 31.03.01
Blomstedt dagegen hat das Opus verinnerlicht, vergeistigt und kann folglich auf dirigentische Muskelspiele gänzlich verzichten. [...] Die Gewandhäusler dagegen haben ihn, den Schlüssel zum tief gelegenen Inneren der Achten, zu den berückend schönen Reichtümern des Adagio, dem glitzernden Kleinod sanfter Streicherklänge, perlenschimmernden Harfenkaskaden, dem Silber der Flöten und dem Gold der Bläser in Scherzo, Allegro und Finale. Hier nimmt nicht nur jeder einzelne Musiker reichlich, sondern teilt ebenso reichlich wieder aus. Sehr zur Freude und Begeisterung des Publikums, das sich für die beglückende Bereicherung langanhaltend stürmisch bedankt. Selten hat das Gewandhausorchester so ausdrucksstark, perfekt und ausgewogen gespielt. Selten gelang ein so tiefer Blick in Struktur und Wesen dieser Musik.
(Bruckner, 8. Sinfonie) Jörg Clemen, Süddeutsche Zeitung, 02.03.01
Pletnev hat mit allen großen Orchestern dieser Welt musiziert - aber dass das Gewandhaus immer noch etwas ganz Besonderes sein kann, wird auch der begnadete Russe gemerkt haben: Frank-Michael Erben an der Solovioline und Cellist Christian Giger spielen im zweiten Satz (einem verkappten Tripelkonzert) so überirdisch schön, so edel, so wahrhaftig und bewegend, dass es auch einem solchen Pianisten nicht schwer fällt, zuzuhören, sich zurückzunehmen, zu begleiten. Eine Sternstunde.
(Tschaikowski, 2. Klavierkonzert) Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 10.03.01
Drei Abende mit Kurt Masur versetzten die Leipziger Konzertbesucher in Begeisterung. [...] Die Besucher feierten ihn an allen drei Abenden mit standing ovations. [...] Erst nach der Pause konnten die Besucher mit Masur "ihre" Erste von Brahms erleben. Wie ehedem führte der Dirigent die 60 Streichinstrumentalisten wie auch die Holz- und Blechbläser zu jener warmen, beseelten Tongebung, die für den ganz eigenen Gewandhausklang charakteristisch ist. Vielleicht hätte Brahms, wäre ihm vor 125 Jahren schon ein solches Orchester verfügbar gewesen, zumal mit diesen Bratschen, den Musikern noch einiges mehr zugeschriebenn. [...] Doch so klingt es eben nur mit dem Gewandhausorchester unter Kurt Masur. [...] Es waren drei denkwürdige Konzerte.
(Brahms, 1. Sinfonie c-Moll) Werner Wolf, Neues Deutschland, 01.02.01
Mit Intensität und Dichte forderte er [Masur] Differenzierungen bis in die Stille dieses großen Werks. Die geballte Energien des Orchesters und seines Dirigenten entluden sich in einem spannenden Finale. Ein monumentaler aber nicht massiger Brahms rundete sich im Reichtum dieses Intensiven Sinfoniesatzes. Ein begeistertes Publikum verabschiedete Kurt Masur mit Standing Ovations und Bravos.
(Brahms, 1. Sinfonie c-Moll) Sigfrid Neef, Mitteldeutsche Zeitung, 27.01.01
Aber wenn die Streicher schwelgen wie am jüngstenTag, die Hörner glänzen, das Holz schimmert und die Pauke die Grundmauern zementiert, dann ist es auch nicht weiter schlimm, wenn die Großform den Hang zum episodischen nicht leugnen kann. Dann wird alles Klang, alles Ausdruck, alles bedeutend, alles anrührend. Doch selbst der Jubel nach Matthus ist nichts gegen den zehnminütigen stehenden Tumult nach Brahms. Ein großer Abend - keine Frage.
(Brahms, 1. Sinfonie c-Moll, Matthus, Paukenkonzert "Der Wald") Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 26.01.01
John Mauceri hatte - wie seine ausgesprochen begeisterungsfähigen Zuhörer - riesige Freude daran, sinfonische Filmmusik mit einem solchen Orchester zu gestalten und zu hören. Einem Orchester, das die Werke Bruckners, Mahlers Strauss', Respighis, Schostakowitschs beherrscht - und wendig genug ist für die Partituren Bernhard Herrmanns, Alex Norths, Nino Rotas, Ennio Moricones oder Leonard Bernsteins "West Side Story".
Werner Wolf, Leipziger Volkszeitung, 22.01.00
Denn Sir Roger [Norrington] und die Leipziger sind auch bei ihrem zweiten Zusammenwirken ein veritables Dreamteam. [...] Das alles klingt so selbstverständlich gekonnt, verstanden, engagiert, enthusiasmiert, dass sich die meisten Debatten über Originalinstrumente in Gewandhaus und Thomaskirche erst einmal erledigt haben sollten: Dieses Orchester kann aufführungspraktisch fast alles erreichen - man muß es nur anzuleiten verstehen. Schwelgen kann es von alleine. Aber selten so kontrolliert und bescheiden, wie die abgeklärte Schönheit der Vaughan-Williams-Sinfonie daherkommt. Wieder ein Verdienst von Sir Roger, der die Potenziale von Tutti und großartigen Solisten [...] voll ausschöpft. [...] Die Reaktionen von Publikum und Orchester [...]lassen wenig Zweifel zu: Leipzig wünscht sich, dass er wieder kommt. Und bitte nicht erst in zwei Jahren.
(Vaughan Williams, 3. Sinfonie, Beethoven, 6. Sinfonie) Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 25.11.2000
Dabei ließ Norrington geradezu modellhaft erleben, wie lebendig die historische Aufführungspraxis in Klanggebung, Artikulation Tempo und Dynamik mit einem Traditionsorchester umgesetzt werden kannn.
(Beethoven, 6. Sinfonie "Pastorale") Werner Wolf, Neues Deutschland, 05.12.00
Konzerte für Kinder haben gemeinhin einen schlechten Ruf: [...] Im Gewandhaus [...] führt der jetzige Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt diese Tradition seit zwei Jahren mit den "Familienkonzerten" zur pädagogischen Perfektion.
Was Blomstedt musikdidaktisch leistet ist [...] ein nicht hoch genug zu schätzendes Missionswerk.
(Carl Nielsen, 5. Sinfonie) Martin Wagner, Kreuzer, Oktober 2000
Mozarts "Prager" am Anfang mit traumschönen Streichern, hinreißenden Tempi, meißt fabelhaften Bläsern [...] so schön, dass sich die Begeisterung des Publikums schon nach dem ersten Satz lauthals Luft verschaffte. [Blomstedt] kann dabei auf ein Orchester zurückgreifen, das so prachtvoll klingt wie lange nicht, überquillt vor Empfindung, spielerischer Wollust. In allen Gruppen, bei allen Solisten, in seiner Gesamtheit.
(Mozart, "Prager" Sinfonie, Tschaikowski, 5. Sinfonie) Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 14.10.00
Bravourös führt Harding die ebenfalls virtuos aufspielenden Gewandhausmusiker. [...] Wenn da ein so emotionsgeladener, suggestiv führender, zudem schlagtechnisch souveräner Dirigent wie Daniel Harding das Gewandhausorchester zu einer eindringlichen und klanglich in allen Gruppen großartigen Gestaltung führt, ergreift das Werk vom ersten bis zum letzten Takt. Nur ein Wunsch bleibt: Harding möge wiederkommen.
(Ligeti, Violinkonzert, Suk, Sinfonie "Asrael") Werner Wolf, Leipziger Volkszeitung, 30.09.00
Der Urvater der Klassik [J. Haydn] ist im Gewandhaus wieder zuhause. [...] Kaum eine andere Musik zeigt so deutlich die in der Ära Blomstedt erzielten Fortschritte in Sachen Spielkultur, -witz, Disziplin, Ausgewogenheit, Stilsicherheit.
(J. Haydn, Sinfonie F-Dur Hob 67) Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 16.09.00
Und der dritte Satz [...] entwickelte sich unter dem feinsinnigen Blomstedt zu einem eleganten, schwungvollen Gebilde, das aussprach, wie sehr der bescheidene Gewandhauskapellmeister von Weltruf diesen Baptist Joseph Maximilian [Reger] aus Brand schätzt.
(Reger, Klavierkonzert op. 114) Der neue Tag, Anastasia Poscharsky-Ziegler, 12.09.00
Nach der Pause fand Herbert Blomstedt [...] in Dvoraks "Aus der Neuen Welt" ein Vehikel der eindrucksvollen Demonstration der Orchesterkultur des Gewandhauses. Die Homogenität des Klanges, die [...] hervorragend besetzten Holzbläserpulte und das satte, nie geschärft klingende Blech sind Pfunde, mit denen ein Orchesterleiter trefflich zu wuchern vermag. [...] Dynamisch durfte das Orchester hingegen aus dem Vollen schöpfen, Blomstedt stellte machtvolle Steigerungen fein ausgehörten, von den hervorragenden Bläsersoli geprägten Episoden entgegen.
(Festspielhaus Baden-Baden) Gerhard Tezlaf, Offenburger Tageblatt, 11.09.00
Blomstedt formte das gefällige, unbeschwerte Divertimento [...] zu einem kostbar ziselierten Juwel. [... ] und führte die Musiker zu einem eleganten Musikstil vom Feinsten, mit Humor gewürzt [...] Blomstedt entführte seine Zuhörer in eine sagenhaft "Schöne Neue Welt", wofür diese ihm mit nicht enden wollenden, tosendem Beifall dankten.
(Mozart, Divertimento KV 251; Dvorák, Sinfonie Nr. 9; Baden Baden) Badisches Tageblatt, Karen Streich, 11.09.00
Herbert Blomstedt beherrscht die große Kunst bedeutender Klangzauberer, er weiß um die Geheimnisse der kleingliedrigen Phrasierungskünste und der großen Steigerungen, der nie ins falsch Pathetische abgleitenden Emphase, die in der Ruhe, der Konzentration auf das kleine aber strahlkräftige Piano gründen.
(Festspielhaus Baden Baden) Badische Neueste Nachrichten, Birgitta Schmid, 11.09.00
Die Gewandhausmusiker spielten auf Schwindel erregend hohem Niveau.
(Festspielhaus Baden Baden) Badische Zeitung, Matthias Wiegand, 11.09.00
Blomstedt verzichtet auf vordergründiges Pathos, läßt die Musik transparent und geschmeidig [...] erklingen.
(Bruckner, 9. Sinfonie, Decca 458964-2) Pforzheimer Zeitung, tw, 11.09.00
Blomstedt und sein Klangkörper ernteten am Sonnabend viel Aufmerksamkeit und Begeisterung.
(Dresdner Kulturpalast) Sächsische Zeitung, Karsten Blüthgen, 04.09.00

