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Pressestimmen 2004/2005

Musik zwischen Lust und Können
„Jetzt sind wir froh, dass wir sind, wo wir hingehören: bei Ihnen in Leipzig“ [...], so Herbert Blomstedt. Und doch liegt ein wenig Melancholie über den charmanten Worten. Denn die Saison, die gestern Abend im vollen Gewandhaus begonnen hat, ist seine letzte als Chef des Leipziger Wohlklangkörpers. [...]Strauss` Burleske für Klavier und Orchester: das Orchester bleibt den Tönen nichts schuldig und doch führen die kraftvollen Züge kaum je vom Beckenrand weg [...] Für Max Regers Variationen und Fuge über ein Thema von Adam Hiller, diese Ur-Leipziger Musik, sind keine besseren Interpreten vorstellbar [...] Blomstedt lässt die Streicher um Frank-Michael Erben sündig schwelgen, das Holz alle Register einer lebenden Orgel ziehen. Bisweilen schamlos – aber nie ohne Struktur. [...] Ganz verhalten und kostbar: Edvard Grieg [Aus Holbergs Zeit] braucht kein Riesenorchester. Blomstedt muss die Tonalität nicht ausreizen. [...] Ihm reichen intime Formen – aber die zeigen im Detail bemerkenswerte Vielschichtigkeit. [...] Die dynamische Durchdringung, die plausible Sinnlichkeit der Architektur, die beherrschte Pracht der Farben zeigen, was möglich ist, wenn ein Orchester und ein Chef sich verstehen [...]
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 04. September 2004 (Edvard Grieg: Aus Holbergs Zeit – Suite im alten Stil op. 40, Richard Strauss: Burleske für Klavier und Orchester d-moll op. 11, Max Reger: Variationen und Fuge über ein lustiges Thema von Johann Adam Hiller op. 100))

Wolfsgeheul im Land des Lächelns
Open-Air im Rosenthal. [...] Große Musik, erstklassig gespielt, virtuos, unvergleichlich schön. Auf seine unaufdringliche Art und Weise hat Herbert Blomstedt durchs Programm geführt. Locker plaudernd, informativ, charmant. Blomstedt hat nicht nur sein Orchester, er hat auch einen Star dabei [...] . Nach der kostbaren Petitesse „Aus Holbergs Zeit“ von Grieg übernimmt Leonidas Kavakos den Violinpart in Brahms` Violinkonzert. [...] der sinnliche Zugriff des griechischen Ausnahmegeigers [...] macht dieses wichtigste der romantischen Violinkonzerte Freiluft-tauglich. [...] Mit glasklarer Intonation singt Kavakos den Solopart. Mit Gespür für Linien unterstreicht er die Schönheiten der Kadenzen. Und Blomstedt begleitet ebenbürtig. [...] allen Fährnissen der Natur, Technik [...] zum Trotz [...] ein schönes Konzert.
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 06. September 2004 (Operngala auf der Aue, Klassik im Park))

Schimmernd, schräg, schön
[...] seit der Uraufführung nichts an Frische eingebüßt: Siegfried Matthus` Responso. [...] Blomstedt und der Staatskapelle Dresden gewidmet, `77 uraufgeführt, brillant orchestriert [...]. Ein Ausbruch aus den (West-) Zwängen serieller Musik, Sinnlichkeit pur [...] Das Orchester spielt auf den Punkt, besonders die Schlagzeugtruppe trumpft auf mit Risikofreude und zupackendem Spiel. [...] Streicher und Bläser musizieren traumhaft, taktfest oder tänzerisch. [...] Klangfarben noch und nöcher: schroff, schimmernd, schräg, schön. Bombastisch, blumig, bissig, bizarr, brausend. Würzig, wonnig, würdig, wogend, wirbelnd, wimmernd, weich und warm. Manchmal wehmütig, immer wunderbar.
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 11. September 2004 (Siegfried Matthus: Responso – Konzert für Orchester, Gustav Mahler: 1. Sinfonie D-Dur))

Träume von Frieden und Glückseligkeit
Einojuhani Rautavaara [...] ist nach verschiedenen stilistischen Phasen bei einem Stil angelangt, der moderne und traditionelle Elemente miteinander verbindet. Die Orchesterfantasie „Isle of Bliss“ [...] geht auf das Gedicht „Lintukoto“ des finnischen Nationaldichters Aleksis Kivi zurück. [...] Die menschliche Sehnsucht nach einem friedlichen Zufluchtsort wird in spezifische Stimmungen übertragen. [...] Im Mittelteil der Komposition erzeugen große Bögen eine Art Stillstand, kunstvoll differenzierte Tempi schaffen aber gleichzeitig doch gewisse Bewegungen und Richtungen. [...] Die „erste“ Uraufführung von Sibelius 5. Sinfonie fand im Dezember 1915 anlässlich des 50. Geburtstages des Komponisten statt [...] Entstanden ist ein sehr kompaktes dreisätziges Werk. Schon im ersten Satz sehr dynamisch und von machtvollen Bläserklängen bestimmt [...].
(Steffen Kühn, Leipzig-Almanach, 18. September 2004 (Einojuhani Rautavaara: Isle of bliss (Insel der Glückseligkeit), Richard Strauss: 2. Konzert für Horn und Orchester Es-Dur, Jean Sibelius: 5. Sinfonie Es-Dur op. 87))

Brahms in doppelter (D-) Ausführung
Brahms` Klavierkonzert [Nr. 1d-Moll op.15] und seine zweite Sinfonie sind vielleicht das Non plus Ultra aller absolut angelegten romantischen Großpartituren. [...] Der inzwischen mit allen Wassern gewaschene Amerikaner [Garrick Ohlsson] ist nicht nur ein versierter Formenwandler, sondern auch ein begnadeter Intuitionsmusiker. [...] Im Adagio [1. Konzert für Klavier und Orchester d-Moll op. 15] legt Blomstedt mit leichter Hand ein durchsichtiges wie leichtes Fundament, dass Ohlsson traumwandlerisch verwerten kann. [...]
(Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 25. September 2004 (Johannes Brahms: 1. Konzert für Klavier und Orchester d-moll op. 15, Johannes Brahms: 2. Sinfonie D-Dur op. 73))

Frommer Österreicher mit Struktur
Es ist, als wollte Herbert Blomstedt die letzte Chorbitte um Frieden nicht mehr instrumental relativieren. [...] Unauffälliger, damit zugleich wahrhaftiger und ernsthafter kann Bruckners monumentale f-moll-Messe nicht in die Stille münden. Und die Stimmen von Gewandhaus- und Gewandhaus Kammerchor sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Sinnlich, bebend, lebendig, dabei diszipliniert und fein ausbalanciert schließen sie den Abend im ausverkauften Gewandhaus. [...] Schuldt-Jensen hat auf Kultur gesetzt. [...] Blomstedt spannt weite Bögen, stiftet Zusammenhang in der aus kleinsten motivischen Zellen geschichteten Architektur des frommen Österreichers, haucht Tonleitern und Dreiklangsbrechungen Substanz und Leben ein. [...]
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 2. Oktober 2004 (Leos Janácek: Vecné evangelium (Das ewige Evangelium) Legende für Sopran, Tenor, Chor und Orchester, Anton Bruckner: Messe f-Moll für Solostimmen, Chor und Orchester)

Im großen Maßstab eine Einheit
Der Pianist Bernd Glemser […] vollführt Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 2 als wunderbar elegisch wie sanftmütiges Tonspiel mit Hingabe und Seele. Mit Durchblick [...] und kühnem Glanz, samt finalem Gloria. Herbert Blomstedt [...] formuliert ihm schön die weichen bis verwegenen Phrasen. [...] Bei der eloquenten „Ruy Blas“-Ouvertüre überlässt Blomstedt so gut wie nichts dem Zufall, windet geschickt die Linien, erklärt gewitzt die Zusammenhänge, und das Gewandhausorchester gibt sich geradlinig tonschön wie einsatzbereit. [...] Gewandhausorchester und Mendelssohn sind auch 2004 im großen Maßstab eine Einheit. Glemser und Blomstedt sei gedankt.
(Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 08. November 2004 (Felix Mendelssohn Bartholdy: Ouvertüre zu „Ruy Blas“ op.95, 2. Konzert für Klavier und Orchester d-moll op. 40, 3. Sinfonie a-moll op. 56 („Schottische“)))

Sinnlich, erbarmungslos, schmutzig
Die Kombinationen sind nicht wirklich zwingend. [...] Doch davon lässt sich Steffen Blumier, seines Zeichens Taktschläger, wenig beirren. Das Sperrige zu Beginn, das Beste zum Schluss. Gershwins Konzert für Klavier und Orchester in F. [...] sinnlich, erbarmungslos, schmutzig. Das riecht nach Fremdgehen, nach Ferkeleien, nach Rock `n` Roll [...]. Dabei hatten es die fünf Präludien dieses Abends ziemlich in sich. Hindemiths wuchtig, albernes "Rag Time (wohltemperiert) für Großes Orchester", Strawinskys in Form und Sinn nicht ganz ernst gemeintes "Ebony Concerto" oder Milhauds schön verspieltes, aber manchmal zu bemüht witziges "Le Boef sur let toit". Das alles mit gut aufgelegten Bläsern, imposanter und [...] punktgenauer Schlagzeuggruppe, speziell beim Rhythmus-Gemetzel von John Adams' "Lollapalooza". Abgerundet von einem betörend elegischen "Quiet City" für Streicher, Trompete (wunderbar: Lukas Beno) und Englischhorn (noch einmal wunderbar: Gundel Jannemann-Fischer) von Aaron Copland.
(Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 16. November 2004 (Paul Hindemith: Ragtime (wohltemperiert), Igor Strawinsky: Ebony Concerto, Darius Milhaud: Le Boeuf sur le toit, John Adams: Lollapalooza, Aaron Copland: Quiet City, George Gershwin: Concerto in F für Klavier und Orchester)

Musik, die zum Herzen des Hörers geht
Schostakowitsch' 5. Sinfonie: [...] Masur weist dem scharfkantigen Kopfsatz, dem torkelnden Scherzo, dem schmerzhaft strömenden Largo, dem Finale mit seinen höher und höher sich schraubenden, unentrinnbar dahin aufs Hörer-Gemüt eindreschenden Tonwiederholungen den direkten Weg zur Seele. [...] Und auch bei Beethovens "Pastorale" holt er [Masur] bemerkenswerte Details ans Tageslicht, setzt er Spots auf sonst gerne unterbelichtete Nebenstimmen. [...] Weil beispielsweise die erstklassigen Holzbläser ihm bereitwillig ihre schönsten Töne zu Füßen legen - und das Gesamtergebnis [...] schlüssig ist.
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung 19. November 2004 (Ludwig van Beethoven: 6. Sinfonie F-Dur op. 68 ("Pastorale"), Dmitri Schostakowitsch: 5. Sinfonie d-Moll op. 47)

Mit dem eigenen Genuss Gutes tun – Festliche Musik für UNICEF
[...] die Emotionen im Saal liegen [Herbert Blomstedt] und seinem Orchester zu Füßen. [...] Strauss’ Vier letzte Lieder: das [Gewandhausorchester] entfaltet unter Blomstedt einen sanften Strom so hinreißender Farben und Mischungen und Konzertmeister Frank Michael Erben streicht ein so innig leuchtendes Solo [...]. Der Fußwippfaktor [Vier Slawische Tänze aus op. 46 von Antonín Dvorák] ist erheblich, Blomstedt feiert die satten Nebenstimmenwonnen, findet auch hier Reflexe wohliger Melancholie – und spiegelt mit dieser tonartlich offen angelegten kleinen Suite brillant die Stimmungen von Nielsens Zweiter wieder, die den Abend eröffnete. [...] Ein Kabinettstück, das über eine runde halbe Stunde höchste Charakterisierungskunst mit satztechnischem Können und formaler Disziplin zusammenzwingt. Das Gewandhausorchester beweist einmal mehr, dass es ganz oben mitspielt. [...]
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 30. November 2004 (Carl Nielsen: 2. Sinfonie h-moll op. 16 („Die vier Temperamente“), Richard Strauss: Vier letzte Lieder, Antonín Dvorák: Vier Slawische Tänze aus op. 46))

Wehmut schwingt mit
[...] [Herbert Blomstedts] Gesamt-Interpretation strahlt eine angenehme Ruhe, ja sogar Größe aus. Entsprechend glänzt auch das Gewandhausorchester mit wohlig weichem und schlankem Klang [...]. Herbert Blomstedts letzter „Messias“ in Leipzig erntet begeisterten Applaus und stehende Ovationen.
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 07. Dezember 2004 (Georg Friedrich Händel: Messiah))

Romantik in Rein- und ein Kapellmeister in Hochform
Ein routinierter Schumann, ein berauschender Schubert. So ist es gut, so soll es sein. Eines der besten Großen Konzerte des Jahres. [...]
(Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 18. Dezember 2004 (Robert Schumann: 1. Sinfonie B-Dur op. 38 („Frühlingssinfonie“), Franz Schubert: Sinfonie C-Dur D 944 („Die Große“)))

Froh wie seine Sonnen fliegen - Blomstedts letzte Neunte im Gewandhaus
[...] der Beginn des Kopfsatzes füllt den Raum mit Spannung. Hell [...], leuchtend, bemerkenswert präzise klingen die Geigen um die Konzertmeister Frank Michael Erben und Stefan Arzberger. Die Celli wagen im grundierenden Tremolo den Schritt von der Fläche zum Ereignis. [...] Die Pauke drischt gekonnt um ihr Leben, das Solo-Horn funkelt, das Blech explodiert, und im fabelhaften Holz spiegelt sich das Licht des Höchsten. Vorne malt Blomstedt mit weisem Lächeln seine Häkchen ins Nichts, durchschneiden markante Auftakte die Luft, ballen sich die Fäuste wie zum Trotz. [...] Im Molto vivace des zweiten Satzes ist alles Bewegung, alles Energie, drängt jeder Ton vorwärts. [...] im langsamen Satz mit seinem Himmel voller zweiten Geigen entgehen Blomstedt und ein Gewandhausorchester, das einmal mehr seinen Anspruch unterstreicht, wirklich an der Spitze mitzuspielen, der hinter jedem Seufzer lauernden Gefahr von Nonchalance. Dieses Adagio ist nicht traurig. [...] Das Solistenquartett ist erstklassig besetzt. Goerne ist großartig. Sopranistin Claudia Barainsky verfügt über so viel Kondition [...], Altistin Marianne Eklöf hält souverän mit [...]. Dahinter steht ein Chor vom Feinsten: Der Gewandhauskinderchor sorgt für den Glanz, der Gewandhauschor für Masse und der MDR-Rundfunkchor für Pracht und technische Unangreifbarkeit. Jubel über Jubel - und am Ende doch ein wenig Wehmut. [...]
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 30. Dezember 2004 (Ludwig van Beethoven: 9. Sinfonie d-moll op. 125 mit Schlusschor über Schillers "Ode an die Freude")

Faszination der russischen Seele
[...] dieser Schostakowitsch gönnt seinem Solisten keine Pause. [...] deshalb sind die lyrischen Passagen umso eindringlicher, wesentlicher. [...] der ehemalige Konzertmeister der Berliner Philharmoniker [Solist Kolja Blacher, Violine] empfindet sie mit dem Herz eines Kriegers, dem Schlachten Lebenselixier sind, die Ruhepausen aber umso intensiver. [...] Prokofjew 5. Sinfonie: [...] Kitajenko vermittelt dem Gewandhausorchester jene Emphase, die offensichtlich zu gesteigerter Formtransparenz führt.
(Friedrich Pohl, Leipziger Volkszeitung, 15. Januar 2005 (Peter Tschaikowski: Romeo und Julia - Fantasieouvertüre, Dmitri Schostakowitsch: 2. Konzert für Violine und Orchester cis-Moll op. 129, Sergej Prokofjew: 5. Sinfonie B-Dur op. 100)

Von Liebe, Tod und Eifersucht
[...] Silbrig hell funkeln die Streicherkaskaden vom Anfang der Ouvertüre zu Bedrich Smetanas Oper "Die verkaufte Braut". Und das kann ja auch gar nicht anders sein. Denn dass Jiri Behlolávek die Musik seines großen Landsmanns liegt wie nur wenigen anderen, hat sich mittlerweile weltweit herumgesprochen. [...] das Programm des Großen Konzert [...] im anständig gefüllten Gewandhaus die sprichwörtliche gute Mischung aus Hits (Ouvertüre nebst drei Tänzen aus der "Braut"), Entdeckung (Leos Janáceks Orchester-Rhapsodie "Taras Bulba") und musikantisch schäumender Fast-Moderne (Strawinskys "Petruschka"). [...]
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 22. Januar 2005 (Bedrich Smetana: Ouvertüre und drei Tänze aus der Oper "Die verkaufte Braut", Leos Janácek: Taras Bulba - Rhapsodie für Orchester, Igor Strawinsky: Petruschka)

Große und kleine Helden
[...] bei John Williams' musikalischer Trilogie mit Musik aus "Kevin allein Zuhaus", "Harry Potter" oder "Das Reich der Sonne" können die Mädchen und Jungen zeigen, dass sie bei ihrem Chorleiter Frank-Steffen Elster schon perfekt gelernt haben, was Rhythmusgefühl, Intonation und Musikalität ist. [...] Schon im ersten Teil erobern die Gewandhausmusiker bei Wagners Siegfried-Idyll und dem Trauermarsch aus der Götterdämmerung die Zuhörer mit silbrigen Streicherfarben und voluminösen Blechbläserklang. Aber auch nach der Pause nehmen sich die Streicher ganz chevaleresk zurück, wenn Konzertmeister Frank-Michael Erben das Liebesthema aus "El Cid" von Miklós Rósza mit anrührend süßem Geigenton zur großen Kunst adelt. Um sich dann bei David Arnolds Musik aus dem James-Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" mit den kühnen Bläsern und den verwegenen Schlagzeugern ein letztes furchtloses Gefecht um den Preis für die couragierteste Instrumentengruppe zu liefern. Gewinner bei diesem Turnier ist am Schluss vor allem das Publikum [...].
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 31. Januar 2005 (Erich Wolfgang Korngold: Musik aus dem Film "King's Row", Symphonische Suite aus der Musik zu dem Film "Die Abenteuer des Robin Hood", Richard Wagner: Siegfried-Idyll, Siegfrieds Tod und Trauermarsch aus "Götterdämmerung", Musik aus verschiedenen Filmen)

Die Zeit steht still
[...] Die Flötistin zielt genau, auch die Wagnertuben im zweiten Satz verfehlen ihre Wirkung nicht. [...] Der Klang der Blechbläser strahlt zurück, das ganze Orchester ist von einem Leuchten erfasst. Die Zeit steht still. [...] auch in den bombastischen Stellen ist Lockerheit, Bewegung.
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 5. Februar 2005 (Felix Mendelssohn Bartholdy: 4. Sinfonie A-Dur op. 90 ("Italienische"), Anton Bruckner: 7. Sinfonie E-Dur)

Musikalische Klangrede im besten Sinne
Blomstedt lässt seine Musiker Beethoven genussvoll ausmusizieren, nimmt sich die Zeit, die er braucht. [...] Er nimmt dem monumentalen Werk nicht seine Dramatik - vielmehr gibt er dieser Dramatik einen emotional-hellen Rahmen. [...] ausnahmslos nur Exzellentes an diesem Abend: vom klangschönen Oboensolo, über hervorragend disponierte Hörner bis zu einem bis ins Kleinste homogenen, dabei aber lebendig tönenden Streicherapparat. [...] Ruhe und Unaufgeregtheit, die schlichte Eleganz dieses scheinbar so allbekannten Beethoven, der dann gleichermaßen vertraut und neu wirkt, werden noch lange in vielen Köpfen haften bleiben. Bartóks zweites Violinkonzert: Ideal ist die Symbiose, ist das Wechselspiel mit dem Ausnahmegeiger Frank Peter Zimmermann. Die totale Beherrschung des Tons auf dem - insbesondere im zweiten Satz - so heiklen Grat zwischen Zerbrechlich- und Sinnlichkeit ist faszinierend. [...] Das ist musikalische Klangrede im besten Sinne. [...]
(Tatjana Böhme-Mehner, Leipziger Volkszeitung, 12. Februar 2005 (Béla Bartók: 2. Konzert für Violine und Orchester Sz 112, Ludwig van Beethoven: 3. Sinfonie Es-Dur op. 55 ("Eroica"))

Natürliche Musikalität und starker Ausdruckswille
[...] eine wirklich bildschöne, bestens fokussierte, nuancierte, warme und farbenreiche Stimme [Solist Peter Mattei, Bass; Bach Kantate BWV 82]. Dazu entwirft der allmählich scheidende Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt mit seinem erstklassig aufgelegten Orchester einen Mikrokosmos von Stimmen, der den spröden und mächtig sinnschweren Text von Erik Johan Stagnelius klanglich erläutert, seziert, abmildert oder auch potenziert.
Hindemith' Symphonische Metamorphosen: [...] im Andantino tischt Hindemith dann noch ein halbes Flötenkonzert auf, das Gewandhaus-Solistin Cornelia Grohmann mit virtuoser Bravour und sinnlichem Wohlklang meistert. [...] der furiose Schlussmarsch hat Spannung und Zug - vom ersten Unisono-Einsatz der Blechbläser bis hinein in die ersten Bravorufe. [...]
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 19. März 2005 (Paul Hindemith: Nobilissima Visione, Symphonische Metarmorphosen über Themen von Carl Maria von Weber, Johann Sebastian Bach: Kantate "Ich habe genug" BWV 82, Ingvar Lidholm: "Stund, när ditt inre...")

Streicher stehen satt in Saft
[...] denn das Gewandhausorchester will spielen. Die Streicher um Konzertmeister Christian Funke stehen satt im Saft, aus allen Ecken kommen betörende Soli (Horn, Oboe, Flöte) [...]
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 02. April 2005 (Edward Elgar: Konzert für Violincello und Orchester e-Moll op. 85, Richard Strauss: Eine Alpensinfonie op.64)

Mit großer Geste und vollem Risiko
[...]Sein oben silbriges Spiel greift nach den Sternen - und berührt sie. Breuninger setzt auf die Kraft der Linie, er klagt in der Canzonetta seufzend sein trauriges Lied, quirlt intelligent und mit bedrückend natürlichen Syntax die weiten singenden Bögen [...] Kurzum: Ein echter Solist, ein Geiger mit gestalterischer Tiefe, technischer Brillanz, natürlicher Emotionalität.[...] Und vor dem warm glühenden Prospekt des Tutti entwickelt Andreas Lehnert das schönste Klarinetten-Solo der Musikgeschichte. Mit betörendem Ton, mit unendlich langem Atem, mit souveräner und überirdischer Schönheit.[...] Am Englischhorn steht Falk Stolzenburg dem kaum nach - und der Rest eigentlich auch nicht. Ein Gewandhausorchester auf Weltniveau, unter einem Dirigenten aus der Champions League - mit einem Programm für hemmungsbefreiter Schwelger und Genießer. Muss auch mal sein.
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 09. April 2005 (Peter Tschaikowsky: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35, Sergej Rachmaninow: 2. Sinfonie e-Moll op. 27)

Blomstedts Vermächtnis
Die Stille ist lang, absolut, greifbar. Lang ist der letzte Hall der letzten Bitte um Frieden verklungen. [...] Dann bricht der Jubel los. „Vermächtnis IV" ist es überschrieben, das beeindruckende Abschlusskonzert des Bachfestes 2005. [...] Und zum ästhetischen Positivbefund tritt ein emotionaler: Nichts ist mehr übrig von der tendenziellen Kühle der 2000er Missa. In der Thomaskirche greift Blomstedt nach der Seele. Das Klangbild hat nichts von seiner Schlankheit, seiner Strahlkraft verloren.
(Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 10.Mai 2005 (Johann Sebastian Bach: h-Moll Messe BWV 232)

Fabelhaft bis spannungsarm
[...] Die sechste Sinfonie hat das Gewandhausorchester 1974 zum letzten Mal gespielt. Ob damals so fabelhaft, so denkwürdig wie an diesem Abend? Schwer vorstellbar. Herbert Blomstedt zaubert mit seinen Musikern, lässt die knappe halbe Stunde [...] wie im Flug vergehen und hält doch zwischendurch die Zeit an. [...] Norbert Uhl entlockt seinen stets perfekt gestimmten Pauken Klänge, die ein Schlaginstrument eigentlich gar nicht hervorbringen kann: weiche Wirbel wie gehaltene Pedaltöne einer Orgel [...].
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 14.Mai 2005 (Jean Sibelius: 6.Sinfonie d-Moll, Peter Tschaikowsky: 6.Sinfonie h-Moll)

Herbert Blomstedt setzte ich und dem Leipziger Gewandhausorchester ein Monument aus Klang.
[...]An diesem Abend schien der Boden der „Pathétique" erreicht. Mehr lässt sich kaum schürfen. Das Publikum verfolgte dies mit stockendem Atem, war ergriffen und für eine Minute wohl in der Tat sprachlos, um dann, sich erhebend, langen Beifall zu erwidern.
(Karsten Blüthgen, Sächsische Zeitung, 17.Mai 2005 (Jean Sibelius: 6.Sinfonie d-Moll, Peter Tschaikowsky: 6.Sinfonie h-Moll)

Gleich und doch verschieden Das Gewandhausorchester Leipzig in Essen
[...] mit hingebungsvoller Stärke zog das Orchester am sinfonischen Strang, den Blomstedt straff zu führen wusste. Die makellosen Holzbläser erwiesen sich in der gesamten Sinfonie als farbenprächtig und ausdrucksstark [...] Blomstedt thronte die ganze Zeit sympathisch und mit ausladenden Gesten im Klang seines Orchesters, als er in der Durchführung des 1. Satzes mit voller Wucht das sinfonische Gaspedal durchtrat, musste man schon gut angeschnallt sein, um nicht in diesen Wirbel gezogen zu werden.[...]
(Alexander Gurdon, www.klassik.com, 21.Mai 2005, (Jean Sibelius: 6.Sinfonie d-Moll, Peter Tschaikowsky: 6.Sinfonie h-Moll)

Musikalisches Tafelsilber - Mozart & Co.
[...]Da strahlen schon im ersten Satz die Geigen mit den Trompetern um die Wette oder spielen sich mit den Oboen die Bälle zu, während in den Mittelstimmen ein lebendiger Rhythmus pulsiert. [...] Das Gewandhausquartett präsentiert eine mustergültige Interpretation. [...] Mit den Variationen über ein Thema von Mozart op.132 von Max Reger deckt das Gewandhausorchester [...] endgültig sein klangliches Tafelsilber auf. [...] Blomstedt und seine Musiker treffen mit schlafwandlerischer Sicherheit den richtigen sinnlich-romantischen Ton. [...]
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 21.Mai 2005 (Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie C-Dur KV 338, Louis Spohr: Konzert für Streicher und Orchester a-Moll op. 131, Max Reger: Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132)

Ein bescheidener Gigant am Pult
[...]Wieder war ein umjubelter Abend mit Blomstedt, [...] ein ganz besonderes Ereignis, weil ihm alles Eitle fremd ist, weil er - man möchte fast sagen: in guter deutscher Tradition - der Musik dient. [...] Das Orchester, das Blomstedt nach Masur und vor Chailly erfolgreich ins neue Jahrtausend führte, liebt seinen Chef. Das spürt man. [...] Blomstedt bleibt für mich in seinem Ernst eine Ausnahmeerscheinung."
(Michael Stenger, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 22.Mai 2005 (Jean Sibelius: 6.Sinfonie d-Moll, Peter Tschaikowsky: 6.Sinfonie h-Moll)

Das Gewandhausorchester Leipzig begeistet in der Kölner Philharmonie.
Herbert Blomstedt ist ein großer Musiker und Dirigent, man kann es nicht oft und nicht laut genug beteuern. [...] Blomstedt und das Gewandhausorchester brachten Finnlands Sonne in die Kölner Philharmonie -und das Publikum erging sich mit spürbarer Wonne in ihrem Glanz.
(G.B., Kölner Stadtanzeiger, 23.Mai 2005 (Jean Sibelius: 6. Sinfonie d-Moll, Peter Tschaikowsky 6. Sinfonie h-Moll)

Gewandhaus auf Reisen
[…] In seiner Tschaikowsky- Wiedergabe, bei der das Leipziger Orchester seine ganze Brillanz ausspielen konnte, entkam Blomstedt der gefährlichen Vertrautheits-Patina. Er befeuerte seine Musiker in fast sensationeller Weise, verlieh dem Werk Kühnheit, Frische und Intensität, vermied dabei die hier so naheliegende Larmoyanz und führte die Sechste bis an die Grenze jener Ausdrucksintensität, die diese Musik für sich einfordert. Dass das Publikum in Begeisterung ausbrach, war nicht weiter verwunderlich.[...]
(Johannes K. Glauber, www.nrz.de, 23.Mai 2005 (Jean Sibelius: 6.Sinfonie d-Moll, Peter Tschaikowsky: 6.Sinfonie h-Moll)

Klangfarbenrausch und Solo für Orchesterwart
[...]Volker Hemken breitet als Solist bei "Chemins IIc" gekonnt das klangliche Spektrum des Instruments aus. Das reicht von wohlig tiefen Tönen über virtuose Passagen durch alle Register oder gestochen scharfe Repetitionen bis hin zu durchdringend spitzen Schreien in den höchsten Lagen. [...] John Axelrod baut sie unermüdlich immer wieder auf. Und da er bei den "Pini di Roma" mit den Gewandhausmusikern einen wahren Klangfarbenrausch verursacht, ist alles verziehen und er Applaus der begeisterten Zuhörer noch lauter als der strahlenden Schlussakkord."
(Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 28.Mai 2005 (Luciano Berio: Quattro versioni originali della Ritirata notturna di Madrid, Berio: "Chemins IIc", Luigi Boccherini: Sinfonie d-Moll, Franz Schubert: Ouvertüre im italienischen Stil D-Dur, Berio: Rendering)

 
 

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