Pressestimmen 2005/2006
Man sieht das Paradies bereits recht deutlich
Etwas anderes als ein Triumph war gestern Abend nicht denkbar im Gewandhaus: Natürlich reißt es die Menschen nach Riccardo Chaillys erstem Konzert als Chef des größten Profi-Orchesters der Welt geschlossen von den Stühlen. [...] Ganz anders klingt das als gewohnt. [...] Da flirren märchenhaft und ein wenig lüstern die Streicher. Da kantet das Blech ausgelassen ins neckische Elfengewusel. Da führt Chaillys magische Zeichengebung Musiker, Publikum, Mendelssohn in einen Zaubergarten, der einlöst, was der Festakt des Vormittags für die kommenden Jahre immer wieder versprach. Zukunft aus dem Geist der Tradition. Darum ist der Weg von Mendelssohn zu Rihm nicht so weit. Verwandlung 2 heißt der 20-Minüter. Und er zeigt einmal mehr, warum Wolfgang Rihm einer der erfolgreichsten Komponisten weltweit ist: Er beherrscht das Orchester. [...] Moderne, wie fürs Gewandhausorchester geschaffen. [...] Würdiger kann ein neuer Gewandhauskapellmeister nicht ankommen in der Hauptstadt der Romantik die einst die Zukunft war.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 03. September 2005 (Amtseinführungskonzert Riccardo Chailly. Bartholdy: Konzertouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum, Der 114. Psalm, 2. Sinfonie Lobgesang, Rihm: Verwandlung 2)
Gelassenheit
Am Freitag hat Riccardo Chailly sein Einstandskonzert als neuer Gewandhauskapellmeister und Generalmusikdirektor der Oper in Leipzig gegeben. [...] Chaillys Dirigat hatte dabei nichts Thesenhaftes. Weder hob er das Moment des Virtuosen hervor unnötig bei dem Können vor allem der Gewandhaus-Streicher , noch jenes des Stimmungshaften. Die einzige These, die Chailly bereits im Vorfeld vertrat, Routine vermeiden und neue Repertoires erschließen zu wollen, machte er mit der Uraufführung von Wolfgang Rihms Verwandlung 2, einem schwungvoll bewegten Konzert für Orchester wahr. Ansonsten gab der Dirigent der Sache Schwung, und dass dieser im Lauf des Abends zunahm, war ein gutes Zeichen. [...] Obwohl Chailly wie Rattle zu den größten Namen unter den Dirigenten unserer Zeit zählt, setzte er sich als Größe nicht in Szene. Er trat als ein Mann auf das Podium, der dort vorzugsweise sich dem Dirigieren widmet, knapp in der Gestik, einige Zeit fast steif, und ohne jene Körperhaltung, die die Strahlen des Publikums sonnengleich auf das eigene Zentrum richtet. Und so, wie der Mann sich selbst nicht als Ereignis inszenierte, so verzichtete er auf jeden Kniff, aus der Oberfläche der Musik die Zeichen des Ereignishaften herauszupräparieren. [...]
Klaus Georg Koch, Berliner Zeitung, 05. September 2005 (Amtseinführungskonzert Riccardo Chailly)
Wandlungen
[...] Für sein Leipziger Entree entwarf Chailly mit dem Orchester ein Programm, das in der Ausgespanntheit zwischen Tradition und (gesicherter) Moderne einen Hinweis auf die künftige Leipziger Konzert-Dramaturgie geben könnte. Bei Wolfgang Rihm hatte das Gewandhausorchester ein neues Werk in Auftrag gegeben. Sein Titel: Verwandlung 2 Musik für Orchester (2005). [...] Der spezifische dunkle Grundklang des Orchesters verlieh dem Klangbild des Werkes beinahe etwas Altmeisterliches. [...] Man feierte Riccardo Chailly, auch weil er mehrfach versicherte, die Stadt Leipzig und deren Musikkultur als Herzenssache zu empfinden. [...]
Gerhard Rohde, Frankfurter Allgemeine, 05. September 2005 (Amtseinführungskonzert Riccardo Chailly)
So schön war Leipzig lange nicht
[...] Das ist großartig, fabelhaft, sensationell und war nicht anders zu erwarten. Aber da, vor rund 10 000 Leipzigern geschieht mehr. Weil unter der Stabführung des neuen musikalischen Alleinherrschers das Orchester der Heimatstadt Richard Wagners endlich wieder einmal zeigt, dass genau dies die richtige Musik für Leipzig ist. Die Fülle und Kraft, die Chailly mit mehr als nur einer Spur Italianità würzt, der Glanz, der Zauber, die Schönheit, die Tiefe all das kommt zusammen in Brünnhildes starken Scheiten. Und all das mahnt an, dass Leipzig Riccardo Chailly nicht wieder ziehen lassen darf, bevor er an der Oper einen Ring geschmiedet hat. Bis es so weit ist, wird die Zeit mit ihm auch auf dieser Seite des Augustusplatzes nicht lang. [...] Hier nun stimmt alles: Die Musik, die Stimmung, das Wetter. So schön war Leipzig lange nicht und eine Stadt, die solche Musiker hat und ein solches Publikum, die braucht kein Olympia, um zu zeigen, dass sie etwas sehr Besonderes ist.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 05. September 2005 (Ein Fest für Leipzig, Open Air-Konzert: Arien und Ouvertüren aus Opern von Giuseppe Verdi und Richard Wagner)
Sieg des Lichts über die Finsternis
[...] Wer nun wie der neue Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly der erste Italiener überhaupt als Chefdirigent am Pult dieses ehrwürdigen Orchesters auf beiden Seiten des Augustusplatzes das Szepter schwingt, der kann sich mit gewissem Recht als eigentlicher Herr der Stadt fühlen. Die Leipziger jedenfalls feierten ihren neuen Star am Freitagabend bei seinem Amtsantrittskonzert mit brausendem stehendem Beifall, in dem sich Freude über das Gelingen dieses mit großer Spannung erwarteten Konzertes mit dem guten Gefühl auf eine erfolgreiche Zukunft ihres Gewandhausorchesters unter der schwungvollen Leitung Chaillys mischte. [...] Dort, wo Intimität und Inständigkeit gefordert sind, überzeugen die Gewandhausmusiker mit bestem kammermusikalischen Verständnis. Da der dirigentische Schwung und die Musizierfreude Riccardo Chaillys glücklicherweise nicht auf Kraftgesten oder Klanggewalttätigkeiten zielen, sollte die Verbindung aus orchestraler Zucht und edlem Kapellmeisterenthusiasmus zu schönen Ergebnissen führen. [...]
Harald Eggebrecht, Süddeutsche Zeitung, 05. September 2005 (Amtseinführungskonzert Riccardo Chailly)
Tradition und Treue
[...] Auch wenn es mit der Olympiade nicht geklappt hat, die Plakate und die Fanfaren vor dem Alten Rathaus, in dem auch die Klavierfirma Blüthner ein Ladengeschäft hat, künden wenigstens von einem musikalischen Staffelwechsel der olympischen Art: Riccardo Chailly wird an diesem sonnigen Septembertag als 19. Gewandhausdirektor eingeführt. [...] Zauberisch wispernd Mendelssohns Sommernachtstraum-Ouvertüre, eilfertigen Elfenspuk und wendiges Waldweben versprechend, im geputzten Urtext-Notengewand. [...] Dazwischen nicht nur routinemäßig behauptete Zeitgenossenschaft mit der Uraufführung von Rihms Verwandlung 2, die licht und silbrig klingt, selten laut. Eine fließend intrikate Orchesteretüde, die man wiederhören möchte. Dann Felix Mendelssohns Sinfonie Nr. 2 B-Dur Lobgesang, wieder in der Erstfassung. [...] Orchester und Chöre brillieren, freudvoll und festlich[...]. Ein guter Anfang.
Manuel Brug, Die Welt, 05. September 2005 (Amtseinführungskonzert Riccardo Chailly)
Revision der Tradition und gemäßigte Moderne
[...] in der Konzertsaison der ersten Spielzeit gibt es deutliche, neue Akzente. Das macht sich schon im äußeren Erscheinungsbild zwischen Homepage, Präsenz in der Stadtöffentlichkeit und Marketing bemerkbar [...] Die Zahl der Ur- und Erstaufführungen ist schlagartig gestiegen. Die Programmzusammenstellungen sind spannender geworden, leben von Neuem und von Konstrasten [...] Von der feinen Kunst der Programmgestaltung Chaillys und seines Teams kündet bereits das Antrittskonzert. Tradition? Ja, aber mit modernen Erkenntnissen hinterlegt [...] Dem Gewandhausorchester bietet Rihms "Verwandlung 2" die Möglichkeit, mit Soli und dialogischen Passagen in einzelnen Orchesterteilen zu brillieren [...] Dem Publikum, das mit der Avantgarde in Gewandhauskonzerten der letzten Jahre wenig Erfahrung sammeln konnte, hatte man ein musikalisches Schockerlebnis erspart [...] Spannender war es zu sehen und zu hören, wie sich das Klangbild und die Auffassung bei Mendelssohn seit Masur und auch Blomstedt verändert hat. Und es gibt Bemerkenswertes zu berichten: Chailly versteht es, die vorhandenen Tugenden des Orchesters zu nutzen und ohne theatralische Inszenierung fruchtbar zu machen für den großen mitreißenden Schwung seines Dirigats [...] Die hohe Disziplin der einzelnen Orchesterstimmen sorgt für ein bemerkenswert durchsichtiges Klangbild.
Uwe Schneider, Klassik.com, 05.09.2005, (Amtseinführungskonzert Riccardo Chailly)
Vom Blutbad zum Büffet
[...] Wolfgang Rihm ist zwar erst 53, aber er komponierte schon mehr als 300 Werke jedes Genres und jeder Gattung, unablässig sich erneuernd. [...] In Leipzig brauchte man ein Werk, mit dem der neue Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly sein Interesse an Neuer Musik belegen konnte. [...] Das Gewandhausorchester, dessen Konzerte stets so gut wie ausverkauft sind, ist ein zu edler Klangkörper, als dass man ihn ausgerechnet zum Epochenauftakt experimentell strapazieren dürfte. Wolfgang Rihm hat ihn ein bisschen angekratzt, aber die Form gewahrt. Ihm ist mit Verwandlung 2 das Kunststück gelungen, als Rihm und als Zeitgenosse erkennbar zu bleiben und dabei die allen geläufigen Symptome der Neuen Musik kaum Tonalität, geborstene Linien, Unvorhersehbarkeit gleichsam zu verbürgerlichen. Zwischen dem walzerartigen Beginn mit fein durchscheinenden Tönen und dem krachenden Effektschluss hält klare Rhythmik das Geschehen zusammen, nie komplizierter als Strawinsky in seiner neoklassischen Zeit. [...] Den Rahmen bilden, abgesehen von Blumenreihen und Orchestertradition, Werke von Felix Mendelssohn dem berühmtesten der 18 Vorgänger von Chailly in 272 Jahren. Bis heute erhofft man sich in Leipzig von jedem neuen Gewandhauskapellmeister insgeheim eine Lichtgestalt wie Mendelssohn. Und auf dem 52-jährigen Chailly, der zuvor das Concertgebouw Orkest in Amsterdam leitete, lasten besondere Erwartungen: Er ist in Leipzig auch Generalmusikdirektor der Oper. [...]
Volker Hagedorn, Die Zeit, 08. September 2005 (Wolfgang Rihm: Verwandlung 2)
Herbheit, Tiefe und selbstgewisser Ernst
Die Fünfte von Brucker also, Riccardo Chaillys erstes Großes Concert im Alltag. Vorbei sind die Feierstunden, geblieben ist das Charisma [...] und die bedingungslose Spielfreude, ja -wut des Orchesters [...] So herb, so spröde, so geometrisch muss diese Musik klingen. Und genau so weich fließend in den kontrapunktischen Kunststücken, so verstört durch Synkopen tastend, so kammemusikalisch die Solo-Inseln feiernd muss sie es auch[...].
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 10. September 2005 (Bruckner, Sinfonie Nr. 5, F. Mendelssohn-Bartholdy, Orgelsonate op. 65/6, A. Mendelssohn, Chorsätze nach Nagelus Silesius)
Aufbruch in B-Dur
Mit geradezu stürmischer Energie begegnet Riccardo Chailly seinem neuen Orchester. Das führte dazu, dass die Ouvertüre zu "Ein Sommernachtstraum" nicht nur sehr schnell, sondern auch klanglich außerordentlich zupackend gegeben wurde, was zu lasten der technischen Präzision und der nächstlich elfenhaften Leichtigkeit dieser Musik ging [...] An den kompakten, warmen Klang rührt Chailly nicht, im Gegenteil, er stellt ihn stolz heraus - und das führt [...] zu den herrlichsten Momenten [in Bruckners 5. Sinfonie], die ganz und gar von Leben durchpulst war. Sehr organisch, aber auch pontiert ausdrucksvoll die Tempi, transparent der Satz, besonders im kontrapunktisch dichten Finale, und sorgfältig ausgestaltet der Klang, auch das majestätische Fortissimo. Der Aufbruch in leipzig scheint unter einem guten Stern zu stehen.
Peter Hagmann, Neue Züricher Zeitung, 16. September 2005 (F. Mendelssohn Bartholdy, Ouvertüren zu "Ein Sommernachtstrsaum" und "Ruy Blas", 114. Psalm, 2. Sinfonie "Lobgesang" - Bruckner, 5. Sinfonie)
Jugend forscht im Gewandhaus
Aller Anfang ist schwer. Aber obwohl der große Saal nicht wirklich voll ist, verspricht dieser Anfang Erfolg. [...]vor allem, weil das Konzept Jugend für die Jugend schon beim ersten Konzert greift - der Altersdurchschnitt im Zuschauerraum liegt am Mittwoch deutlich niedriger als sonst. Auf der Bühne sowieso. [...] Das Orchester bietet nur selten weniger als erstklassiges Niveau: die Koordination ist ausgezeichnet, der Klang homogen, die zahlreichen Holzbläser-Soli brilliant gespielt. [...] Zum Konzept der neuen Reihe gehört auch die Feier danach. Am Mittwoch suchen die Zuhörer bis nach Mitternacht das Gespräch mit den Musikern, Sylvain Cambreling oder dem Solisten des Abends, Geiger Christian Tetzlaff. Seine Interpretation des Violinkonzerts von Alban Berg ist unbestritten der Höhepunkt des Abends. Selbst die sprödesten Tonfolgen verströmen bei ihm Melodie, jedes noch so kantige Intervall ist sinnlich und anrührend. [...]
Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 23. September 2005 (Jugendorchester-Zyklus des Gewandhauses 1: Junge Deutsche Philharmonie/ Debussy: Prélude à l´après-midi d´un faune, Strawinsky : Sinfonien für Bläser, Mozart: Sinfonie g-moll, Berg: Violinkonzert, Debussy: La mer Drei symphonische Skizzen)
Leidenschaft statt Russo-Phobie
[...] Masurenko zaubert mit dem kernig sonoren Klang ihres Instruments eine geheimnisvolle Atmosphäre. Die Kleinstvariante an Gewandhausorchester spinnt mit flirrenden Klangfarben die Ideen weiter, die Schönheit am Cembalo in die Runde wirft. [...]auf schlichte Linien und sparsames Personal folgt ein Schwergewicht: Musik aus dem Ballett Romeo und Julia von Prokofjew. Und hier dirigiert sich Agrest in den Vordergrund. Denn bei ihm wechseln federnde Lebendigkeit und glutvolle Ernsthaftigkeit einander ab, folgt Leidenschaft auf verspielte Quirligkeit. Das Orchester folgt mit hell strahlendem, mächtigem Klang, der nie zu Plumpheit oder Härte tendiert. Die grandios aufspielenden Hörner gehen aufs Ganze, die Streicher packen zu, und das Schlagwerk verkündet Tybalts Tod mit einem Donnerhall. [...]
Tobias Wolff, Leipziger Volkszeitung, 24. September 2005 (Denissow: Kammermusik für Viola, Cembalo und Streichorchester, Tschaikowski: 3. Suite G-Dur, Prokofjew: Musik aus dem Ballett Romeo und Julia)
Viel Glanz, wenig Seele im Großen Concert
Blacher macht seinem Ruf, uneitler Perfektionist zu sein, alle Ehre [...] Vladimir Jurowski dirigiert seinen Solisten über Gebühr mit [...] Wie er überhaupt zu dirigentischen Überambition neigt [... durch ständige Detailhuberei bleiben Fluss und Seele hin und wieder auf der Strecke [...] Großartige Details, erhebliche Längen, eher leerer Lärm [in Tschaikowskis Manfred-Sinfonie]. Dabei hat das Gewandhausorchester sich nichts vorzuwerfen. Virtuosität, Klanggewalt, Transparenz, Glanz, Brillanz, die die Musiker um Konzertmeister Sebastian Breuninger dem jungen Russen zu Füßen legen, brauchen keinen Vergleich zu scheuen.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 1. Oktober 2005, (Jurowski/ Blacher: Szymanowski, 2. Violinkonzert; Mussorgski, Chowantschina-Vorspiel; Tschaikowski, Manfred-Sinfonie)
Exzellenter Mozart, nerviges Publikum
[...] Auf dem konzertpodium sitzt eine Kammerbesetzung, die hochkonzentriert einen wunderbar schlanken, vibratoarmen Klang produziert, die klangtransparenz groß schreibt udndie mit exzellentem dialogischen Zusammenspiel lebendigen Mozart spielt [...] Ohne die charakteristischen Eigenheiten des klangs der Gewanbdhausmusiker zu verleugnen, gelang Herreweghe in der Rücknahme des Vibratospiels und der Vermeidung rmantisierender Glättungen ein aufregender, vitaler Mozart [...] herrlich auch an diesem Abend die kleinen Details, wie das elegant gestaltete kleine Duett von Flöte und Oboe im Andante des G-Dur Konzerts [...] Bemerkenswert in diesem konzert auch der unendlich zarte Ansatz der Hörner [...].
Uwe Schneider, Klassik.com, 12. Oktober 2005, (Herreweghe/ Staier: Mozart, Klavierkonzerte KV 453, 491, Prager SInfonie KV 504)
Das Wunder Mozart
Originalklinger Hereweghe hat dem modernen Gewandhausorchester bemerkenswerte Farben abgerungen [...] Herreweghe und das Orchester nutzen die Prager Sinfonie, um sich frei zu spielen, um den letzten Beschlag von den Obertönen zu wischen, auch die dynamischen Randgebiete zu erkunden [...] Die Musiker um Konzertmeister Chrisitan Funke füllen die Hell-Dunkel-Dramaturgie mit Zwischentönen und mit Leben. Sie greifen Staiers Impuklse auf, auch seine Farben, und alssen das Wunder Mozart so souverän leuchten, als sei der Salzburger in Leipzig nicht lange vernachlässigt gewesen. Die Bläser-Inseln im Largehtto sind die Wonne selbst, und in der Summe berechtigt das alles zu den schönsten Hoffnungen fürs Mozart-Jahr.
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 8. Oktober 2005, (Herreweghe/ Staier: Mozart, Klavierkonzerte KV 453, 491, Prager SInfonie KV 504)
Musik wogt wie ein Meer, entführt in orientalische Welten
[...] Sebastian Breuninger spielt fein und zart, beinahe lieblich, dabei leicht, flexibel und perfekt bis in höchste Lagen [...] Das zupackende Orchester steht in schönem Gegensatz zu Breuninger sSpiel [...] Die Holzbläser sind hinreißend im Dialog mit dem Solocello, Christian Funke spielt spielt die überleitende Solo-Violine elegisch. Oue malt die Bilder des Komponisten mit reicher Farbpalette und dickem Pinsel. Das Orchester wogt wie ein Meer, vollführt wilde Jagden, tanzt Walzer, entführt in orientalische Welten [...]
Heike Bronn, Leipziger Volkszeitung, 1. November 2005, (Oue/Breuninger; Mozart, Divertimento KV136, Violinkonzert KV 219, Rimski-Korsakov, Scheherezade)
Sonnenaufgang im Gewandhaus
Farben über Farben über Farben. Das Gewandhaus läuft über von Bildern, am Donnerstag, beim Großen Concert [...] Bravo-Rufe begleiten den Beifall.
Susan Weitershagen, Leipziger Volkszeitung, 12. November 2005, (R. Abbado; Ravel, UNe barque sur l´océan, Alborada del gracioso; Francesconi, Cobalt, Scarlet - Two colours of Dawn; Mussorgski, Bilder einer Ausstellung)
Endcoole Musik fürs Publikum von morgen
"Endcool" sagt Marco, 17, und nimmt man seinen Gesichtsausdruck dazu, soll das schöne fremde Wort wohl Begeisterung ausdrücken [...] Die übrigen 1800 Jugendlichen im Großen Saal halten sich an die Konvention und applaudieren. Mit Pop-Konzert-Pegel [...] Der Funke springt aus der Musik. Still ist es im Saal, mit dem ersten Tron beginnt die Konzentration zu knistern. Und sie lässt bis zum Schluss nicht nach [...] Rund 50.000 Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen schleußen die Schulkonzerte Leipzigs durchs gewandhaus. Viele davon wollen wiederkommen.
Peter Korfmacher, 25. November 2005, (Schulkonzert - Chailly/Gewandhausorchester; Pärt, Cantus in memoriam Benjamin Britten; Prokofjew, 3. Sinfonie)
Weit mehr als nur ein bisschen Moderne
[...] Der 19. Gewandhauskapellmeister reicht mit seinem durch alle Gruppen fabelhaften Orchester (Hörner, Holz, Jürnjakob Timms zärtlich klagendes Cello) Klänge von überirdischer Schönheit dazu. Er trägt im Begleiten den Solisten auf Händen, spielt ihm in orchestralen Passagen Bälle zu, reagiert, regt an, regiert, gehorcht [...] Freires aristokratische Beherrschtheit, das bronzene Glühen des Orchesters, Chaillys edle Sinnlichkeit, sie passen perfekt zueinander, ergänzen sich in ihrer Andersartigkeit [...] Chailly gelingt das Kunststück, all die schrillen, schrägen, brüllenden, gellenden, auch klagenden, seufzenden, hauchenden Effekte nicht als auftrumpfende Reihe brillanter Einfälle zu präsentieren, sondern der Architektur der Gattung zu ihrem Recht zu verhelfen [...].
Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 29. November 2005, (Chailly/Freire; Pärt, Cantus in memoriam Benjamin Britten; Brahms, 2. Klavierkonzert; Prokofjew, 3. Sinfonie)

