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Pressestimmen 2006/2007

Alte Bekannte ganz anders
Mit Schumann und Mendelssohn beginnt heute die neue Gewandhaussaison. […] Am Pult steht Riccardo Chailly, und das Programm ist auf den ersten Blick gediegen: Aribert Reimanss „Sieben Fragmente in Memoriam Robert Schumann“, die des Italieners Anspruch einlösen, ein bisschen Moderne müsse immer dabei sein. […] Und so bringt der Italiener den Leipzigern ihren Mendelssohn mit ganz neuen Tönen. Fürs Orchester ist diese Arbeit anspruchsvoll. Weil die Partitur immer wieder anders will als der Reflex der Gewohnheit. Und, räumt auch Chailly ein, „für die Orchestermusiker waren einige Details wie ein Schock. Aber sie haben sich darauf eingelassen.“
(Großes Concert am 01. September 2006/ Riccardo Chailly, Truls Mork Mendelssohn, Reimann, Schumann/ LVZ, Peter Korfmacher, 01.09.06

Gestern im Gewandhaus: Mahlers Schumann
Der erste Blick in die Partitur ist verstörend, der zweite immer noch befremdend. Aber Riccardo Chailly behält recht […]. Es funktioniert wirklich, was Gustav Mahler mit Robert Schumanns Vierter angefangen hat. Sie funktionierte so gut, dass der Jubel am Ende des traditionellen großen „Endlich-September“-Concertes erheblich ist, […] spielt das Gewandhausorchester doch mit atemberaubender Energie, mit betörender Sanglichkeit und elektrisierendem Drive. Das tut es auch bei Mendelssohns römischer Fassung der Hebriden-Ouvertüre. Und obschon die in der später berühmt gewordenen Version vielleicht besser geworden ist, passt sie doch perfekt zur Eröffnung dieses Eröffnungskonzertes, mit dem nicht nur die neue Spielzeit beginnt, sondern auch das Mendelssohn-Festival.
(Großes Concert am 01. September 2006/ Riccardo Chailly, Truls Mork Mendelssohn, Reimann, Schumann/ LVZ, Peter Korfmacher, 02.09.06)

Ohne Scheu vor der Wucht des Banalen
Kaiserwetter sieht anders aus. Und weil das Wetter so gar nicht nach Open Air geraten ist, wird es auch nicht wirklich voll zwischen Gewandhaus und Oper an diesem aufgewühlten Sonntagabend. Doch Riccardo Chailly lässt sich nicht weiter schrecken vom ungewohnten Anblick leerer Plastik-Stühle. Charmant erklärt er den vielleicht 2500, die trotz allem gekommen sind, was es auf sich hat mit Weills Dreigroschenoper. Und genau so locker dirigiert er. […] Dass er dabei viel Spaß hat, das sieht man, das hört man. Und das Gewandhausorchester lässt sich nur zu gerne anstecken. So lustvoll hat lange keine Gewandhaussaison mehr begonnen wie diese, die 226. Von den Unbilden des Wetters übrigens lässt sich das Gewandhaus auch weiterhin nicht schrecken, und für die Eröffnung der nächsten Saison hat Chailly gestern ein Gershwin-Programm unter freiem Himmel versprochen.
(Klassik Open Air am 03. September 2006/ Riccardo Chailly, Alexei Volodin, Lukas Beno Weill, Schostakowitsch/ LVZ, Peter Korfmacher, 04.09.06)

Synkopen zu Sprengsätzen
Riccardo Chailly und Janine Jansen im Großen Concert.
Beethovens dritte Sinfonie ist auch gut 200 Jahre nach ihrer Entstehung noch Herausforderung. Auch für Riccardo Chailly, der sich gemeinsam mit seinem Orchester mit diesem musikalischen Emblem übermusikalischer Bedeutsamkeit am Samstag von den Mendelssohn-Festtagen und auf eine kleine Europa-Tournee verabschiedet hat. Programmatisches Helden-Epos oder symphonische Avantgarde- diese oft diskutierte Frage stellt sich dabei bei Riccardo Chailly und Gewandhausorchester gar nicht erst. […] Und all die Energie, die sich vom machtvollen Kopfsatz über dn trotzigen Trauermarsch, das trunkene Scherzo bis zum Dreiklangsprukn des Finales in immer neuen Schönheiten zeigt, legt der Italiener bereits in die beiden Tuttischläge des Anfangs. […] Und doch fehlt auch bei Chailly die Transparenz nicht. Das ihm dies so atemberaubend gelingt, ist naturgemäß auch und vor allem dem Orchester zu danken, das mit seismographischer Empfindlichkeit auf seine Zeichen reagiert und ihm eine Palette der Abstufungen und Farben zu Füßen legt, wie sie vor nicht allzu langer Zeit noch unmöglich schien.
(Großes Konzert am 09. September 2006/ Riccardo Chailly, Janine Jansen Mendelssohn, Bruch, Beethoven/ LVZ, Peter Korfmacher, 11.09.2006)

Trauer und Trotz. Leningrader Symphonie im Großen Concert
Lars Vogel sitzt am Flügel, […] ein Gestalter, ein Virtuose, ein Denker, ein Klangzauberer, ein Pianissimo-Gigangt. […] Auch das Gewandhausorchester ist besten in Form und Dimitri Kitajenko ein umsichtiger und flexibler Begleiter. Klanglich ist immer wieder der Himmel ganz nah. […] Dabei macht Kitajenko nicht viel. Im Kopfsatz lässt er die vielen – exzellenten – Solisten an der langen Leine, begleitet flexibel, trägt sie auf Händen. Und doch wird kein Flickenteppich draus, sonder ein Continuum menschlichen Ausdrucks.
(Großes Concert am 21./22. September 2006/ Dimitri Kitajenko, Lars Vogt Beethoven, Schostakowitsch/ LVZ, Peter Korfmacher, 23.09.06)

Allerlei Sehnsüchte
Mit elegant beherrschten Gesten und langem Atem baut Rizzi die großen Posen auf. Setzt sie zu Tableaus von elektrisierender Kraft zusammen. Lässt Details funkeln, ohne die Form dem Moment zu opfern. Holt bei den prachtvollen Bläsern sensationelle Soli ab […], beim Tutti markerschütternde Energie, bei den Streichern zarte Schleier.
(Großes Concert am 28./29. September 2006/ Carlo Rizzi, Antoine Tamestit Berlioz, Respighi/ LVZ, Peter Korfmacher, 30.09.06)

Im Himmel gibt es keine Handys
Eine bizarr ins Ironische aufgebrochene Scharlatanerie hat Chailly sich zum Gratulieren ausgesucht. Chailly geht den besten Weg, der zugleich der gefährlichste ist. […] Denn er lädt die unvereinbaren Gegensätze dieses rauschhaft umfassenden Scheiterns am Alles aus sich selbst mit musikalischem Sinn auf. […] So organisch wie Chaillys fordernder Schlag hier der Großform zu vegetativem Reichtum verhilf und im Detail doch immer wieder auf Überraschendes, Unerhörtes stößt, so sinnlich tönt dieser bizarre Satz nur sehr, sehr selten. […] Es ist beglückend zu hören, wie sich das Gewandhausorchester die Grenzregionen der Stille dienstbar mach: Unendlich leise ist das Leise, und doch vibriert es vor Energie. Und im Tutti findet Chailly jene Balance, die den Klang davor schützt, Lärm zu werden. Ein solcher Ansatz bei einem solchen Werk, das geht nur auf Weltniveau.
(Großes Concert am 7./8. 2006/ Riccardo Chailly, Lang Mahler/ LVZ, Peter Korfmacher, 9.10.06)

Fragwürdiges Lagerfeuer
Ein blitzsauber singender ausdrucksstarker Gewandhaus-Kinderchor und sehr spielfreudig aufgelegte Gewandhäusler unter Yutaka Sado. […] Sados Dirigierstil ist eigenwillig, changiert zwischen sehr weichen, manchmal nebulösen Gesten und zackiger Taktgebung. […] Das Orchester folgt ihm willig, spielt mit einer Verve, die berührt und Genuss schafft.
(Großes Concert am 12./13. Oktober 2006/ Yutaka Sado, Danjulo Ishizaki, Wolfram Engel
Prokofjew, Schostakowitsch/ LVZ, Jörg Clemen, 14.10.06)


Musikalische Sektlaune
Riccardo Frizza lässt die Puppen tanzen: Die Streicher fliegen über die Saiten, die Schlaginstrumente toben und das Blech dröhnt tief. […] Riccardo Frizza am Pult gelingt es – schäumend wie die Werke geschrieben sind – das Publikum in sonntägliche Sektlaune zu versetzen. […] Ein gelungenes Debüt von Riccardo Frizza mit dem Gewandhausorchester.
(Großes Concert am 21./22. Oktober/ Riccardo Frizza, Peter Schurrock Rossini, Respighi/ LVZ, Weller, 23.10.06)

Idyll über karstigem Gelände
„Wunderbar. Ich habe bekommen, was ich erwartete, sehr sensuale Klänge, wunderbare Folgen von Gefühl, Alternations of Feelings, starke rhythmische Impulse“ (Chailly). […] Soll die Musik zum Menschen, bedarf sie der Interpreten. Und hier dürfte Schleiermacher diesen oder jenen Moment des Glücks und der Erfüllung genossen haben. Denn der spröde, gewissenhafte Schönheit und der hüftschwingende Lustmensch Chailly ergänzen sich prächtig. […] Auch Chailly öffnet die Arme, nimmt die Orgel auf in den Schoß seines atemberaubenden Orchesters -  und scheint doch nicht böse, dass die Orgel das erste und das letzte Wort hat. […] So ist der Jubel erheblich, und die Wiederholungen des Werkes in den Großen Concerten heute und morgen beweisen, dass Chailly es erst nimmt mit seiner Verpflichtung für die Moderne.
(Großes Concertes am 25. Oktober/ Riccardo Chailly, Michael Schönheit, Schleiermacher/ LVZ, Peter Korfmacher, 26.10.06)

Alle Ruhe der Welt
Das Große Concert im Gewandhaus von gestern und vorgestern offenbart vom ersten Ton an zweierlei: Erstens spielt das Orchester so inspiriert, mit solcher Verve, dass selbst eingefleischte Konzertgänger aufhorchen. Zweitens fällt kaum auf, dass Sir Andre Previn den Taktstock so sparsam wie geradlinig führt. […] Ein gute Basis für die Musiker, geführt von den Konzertmeistern Henrik Hochschild und Frank-Michael Erben. […] Herrlich, wie der Klang der kostbaren italienischen Geige von 1755 aufschwingt, wie Erben den zarten Schmelz und honiggelben Klang des Instrumentes auskostet und sich mühelos wieder ins Tutti integriert. Das ist nicht nur fein, sondern vom Feinsten und wird von den knapp viertausend Ohren im Saal auch als etwas Besonderes empfunden. […] Lang anhaltender Jubel.
(Großes Concert am 9./10. November 2006/ Sir André Previn,  Mozart, Ravel, Mendelssohn/ LVZ, Jörg Clemen, 11.11.06)

Augenblicke neben der Zeit
Die Grenze zwischen Werk und Welt verschwimmt. Dann erst dreht Masur sich um, nimmt den tosenden Jubel entgegen, die Arme an den Körper gepresst, regungslos, während es das Publikum geschlossen von den Stühlen reißt. [ …] Masur geht aufs Ganze, auf volles Risiko hält weder in Fragen des Tempos, noch in solchen der Dynamik auch nur den kleinsten Sicherheitsabstand. Und die Musiker, von denen viele erst kamen, als er schon gegangen war, folgen ihm rückhaltlos, voller Vertrauen und Opferbereitschaft. […] Es ist dies eine musikalische Sternstunde, weil Masur ohne Reibungsverluste bekommt, was er will. […] Und weil sie so selten sind, diese Augenblicke neben der Zeit, entschädigen sie für alles.
(Großes Concert am 16./17. November 2006/ Kurt Masur, Sarah Chang, Brahms, Tschaikowski/ LVZ, Peter Korfmacher, 18.11.06)

Neusichtung einer Liebe
Gewandhaus und Bruckner - sie gehören zusammen, seit Arthur Nikisch die Siebte in Leipzig aus der Taufe hob. Herbert Blomstedt und Anton Bruckner - das ist eine musikalische Liebesbeziehung über Jahrzehnte [...] Und doch ist alles anders. Die Bekanntschaft mit einem US-Wissenschaftler hat Blomstedt dazu gebracht, vieles von dem über den Haufen zu werfen, was seinen Bruckner-Stil auszeichnete [...] Überhaupt die Linie, die Melodie: Nach wie vor saugt Blomstedt aus ihnen den Nektar für seine Interpretation [...] So zieht sich ein riesiger Bogen von der überirdischen Naturtonreihe des Beginns bis zum letzten Tutti [...] Bei dieser Neusichtung kann sich der Ehrendirigent auf ein exzellentes Orchester verlassen. Die Streicher sind auf Weltniveau unterwegs, schöpfen die enorme Palette aus, die Blomstedt abruft, klingen im zartesten Hauch so lebendig und unverwechselbar wie im aufbrasuenden Tutti [...]
(Großes Concert am 23., 24., 25. November 2006/ Herbert Blomstedt, Peter Serkin, Bruckner, Strawinsky/ LVZ, Peter Korfmacher, 25.11.06)

So selbstverständlich, so schön.
Etwas unvermittelt setzt der 25-jährige Szymanowsky den Pomp ein [...] Dies ist ein gefundenes Fressen für ein Weltklasseorchester, dem Boreyko klanglich die Lange Leine lässt und es rhythmisch immer wieder anzieht. Ein fabelhafter Dirigent ist dies [...] Boreyko und das erstklassige Orchester tun auch hier das Richtige: Nicht Brahms liegt auf den Pulten, sondern eine postromantische Bearbeitung, und so spielen sie es auch [...] die überbordende Spielfreude des Finales, die hymnische Lust des Andante con moto, das ist alles sehr eindrucksvoll. Der Schlussapplaus ist es auch [...]
(Großes Concert am 21./22. Dezember 2006/ Andrey Boreyko, Lang Lang, Szymanowski, Prokofjew, Brahms/ LVZ, Peter Korfmacher, 23.12.06)

Ein Beethoven des Trotzes und des Zornes
Der Vorwärtsdrang ist nötig, soll das Konzept aufgehen. Dass es aufgeht, das beweist nach kaum mehr als 70 Minuten der stehende Jubel im ausverkauften Großen Saal [...] Von unten aus den Eingeweiden dieser herrlichen Partitur zwingt Chaillys fordernde Linke dramatische Schärfe nach oben [...] Chailly Beethoven ist ein Mann des Trotzes und des Zornes [...] So brodelt unverholene Aggressivität schon unter den bebenden Quinten, mit denen alles beginnt [...] Kein Vibrato erlaubt der Mann am Pult. Auch den markant fallenden Quarten und Quinten gönnt er keinen Millimeter neben der Zeit [...] Alles stürzt, fällt in den Trichter der Durchführung [...] Dass diese Neunte von Beethoven auch an den Grundfesten der Beethoven-Ästhetik rüttelt, mit der Chailly vor genau einem Jahr auf sich aufmerksam gemacht hat, lässt mit erheblicher Spannung in die Zukunft blicken.
(Großes Concert am 29., 30., 31. Dezember 2006/ Riccardo Chailly, Solisten, Beethoven/ LVZ, Korfmacher, 30.12.06)

Axel Kobers Konzertdebüt
Berlioz Symphonie fantastique ist wie geschaffen für die kombination Gewandhausorchester und Axel Kober [...] Kober gibt dem dramatischen Rausch des feurigen Romantikers eine symphonische Form, findet er betörende Details, scheut den grellen Effekt nicht, nicht die Magie des Augenblicks [...] Gundel Jannemann-Fischer am Englischhorn und ihre Kollegen pusten weltverloren schönen Soli in den Saal [...] Davor flirren beseelt die fabelhaften Streicher, dahinter gellt eindrucksvoll das Blech, dreschen die Schlagwerker auf große Trommeln und Pauken ein, dass es die Wonne selbst ist [...] Diese Fantastique ist so gut, dass sie jedes einzelne Bravo wert ist.
(Großes Concert am 11., 12. Januar 2007/ Axel Kober, Katalin Stefula, Debussy, Ibert, Berlioz/ LVZ, Peter Korfmacher, 03.01.07)

Briten und Deutsche in vollkommener Symbiose
[...] Dieses Große Concert zum Elgar-Jahr war ein wirklich großes [...] Die Anforderungen des technisch extrem anspruchsvollen Solo-Parts sind Gewandhaus-Solocellist Christian Giger nicht anzuhören [...] organisch entwickelte Wonne in Brittens Cello-Symphony allüberall. Giger singt auf seinem instrument, füllt Figurationen mit Sinn und Leben [...] Ein exzellenter Musiker, den ebenbürtige Kollegen tragen - angeleitet von einem Briten, wie er im Bilderbuche steht [...] Immer wieder gelingt es ihm, Energie ins Orchester zu pumpen, linie zu ordnen, Klänge zu schichten, Formen zu meißeln [...] Hickox entweickelt aus dem Anfangsthema der satt glühenden Bratschen mit sinnlichem Überblick eine knappe Stunde Musik vom Feinsten [...] Elgars erste klingt auf keiner greifbaren Aufnahme so rundum stimmig wie an diesem stürmischen Donnerstag.
(Großes Concert am 18., 19. Januar 2007/ Richard Hickox, Christian Giger, Bridge, Britten, Elgar/ LVZ, Peter Korfmacher, 20.01.07)

Golden glänzt das Blech
[...] Diese noch tief mit dem neunzehnten Jahrhundert verwobene Musik scheint dem Gewandhausorchester wie auf den Leib geschrieben. Die Musiker spielen plattenreif sowohl in der Gruppe als auch solistisch. Ein Hochgenuss [...] Dass Leipzig eine Hochburg des Posaunenspiels ist, belegt die längst ausstehende Wiederaufführung des Concertinos von Ferdinand David von 1837 [...] Bestechend der weiche, goldglänzende Ton, die dynamische Balance des Solisten Otmar Strobel [...]
(Großes Concert am 28. Januar 2007/ Junichi Hirokami, Otmar Strobel, Elgar, David, Mendelssohn Bartholdy/ LVZ, Jörg Clemen 29.01.07)

Schmaler Grat
[...] Yundi Li ist der Solist des Abends [...] Und doch: Bei aller Virtuosität, Delikatesst, Beherrschtheit: Es fehlt ein wenig die Seele [...] Chailly findet den schmalen Grat zwischen Augenzwinkern und Pathos, Lärm und Struktur, Hingabe und Fragezeichen in Strauss Heldenleben. Kontzertmeister Frank-Michael Erben wächst noch einmal über sich hinaus in den vielen Passagen, die sich auch im Umfeld eines ausgewachsenen Violinkonzerts gut machten. Dazu glänzen exzellente Trompeten [...]

Grüße von Napoleon, nein Strauss!
Das „Heldenleben“ fährt so ziemlich alles auf, was um 1900 orchestral aufzufahren war [...] All die vielen Instrumentalisten führt der Komponist an die Grenzen des Machbaren. Allen voran die Solovioline [...] Konzertmeister Frank-Michael Erben entledigt sich seiner Aufgabe mit konzertantem Furor. Ein großartiger Musiker [...] Und dieser Befund zieht sich durch den ganzen enormen Klangkörper [...] Mit magischem Charisma sorgen Chaillys Blick und Linke dafür, dass im Sog der Entwicklung dennoch kein Detail auf der Strecke bleibt. Das gilt ohne Einschränkung auch für „Don Juan“ [...] Auf den effektvollen Glanz haben Chailly und das Orchester eine bebende Intensität gesattelt, die so live nicht oft zu erleben ist [...] In Leipzig ist das allemal für stehende Ovationen gut.
(Großes Concert am 8., 9., 11. Februar 2007/ Riccardo Chailly, Yundi Li, Strauss Liszt/ LVZ, Peter Korfmacher, 10., 12. 02.07)

Reine Vielfalt
Der schelmenhafte und unprätentiöse Stil des Dirigats [...] arbeitet eindrucksvoll das Typische des Werkes heraus. Mit großer Ruhe und Besonnenheit gibt Ticciati im zweiten Satz den Streicherpartien Struktur und Kraft. ausdrucksstarken Oboenkonzert von Strauss kann Solist Henrik Wahlgren seinen reichen Oboenfarbfächer entfalten. Seine Solopartien sind von stupender Reinheit und Klangvielfalt.
(Großes Concert am 24., 25. März 2007/ Robin Ticciati, Henrik Wahlgren, Elgar, Strauss, Schubert/ LVZ, c.f., 26.03.07)

Bach-Maßstab in perfekter Akustik
So sucht auch Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly nicht nach Effekt, sondern nach Wahrheit. Und er findet sie mit bemerkenswerten Mitteln [...] In Leipzig wird ein dritter Weg der Bach-Exegese erkundet jenseits der Historisten und des Pathos der einst modernen Tradition [...] Ein Weg, den Chailly nicht zufällig im Gewandhaus beschreitet. Denn dieser Weg folgt der Logik der Partitur, findet in ihr Sinn und Sinnlichkeit, Spiritualität und Transzendenz. Atemberaubend detailversessen fördert Chailly Neues zu Tage [...]  Chailly vertraut auf eine der größten Partituren der Musikgeschichte, auf eine optimale Akustik und auf sensationelle Klangkörper. Der Dresdner Kammerchor ist für Chaillys ästhetisches Wollen genau das richtige Ensemble [...]  Und das Gewandhausorchester begleitet auf Agenhöhe. ungeheuer reich ist das Klangbild, so durchhörbar, dass auch mit Darmsaiten nicht mehr zu holen ist [...] Der Jubel ist groß  [...] Auch wenn diese Matthäuaspassion nicht in der Kriche sondern im konzertsaal die Leipziger Maßstäbe verrückt.
(Großes Concert am 29., 30. März 2007/ Riccardo Chailly, Solisten, Bach/ LVZ, Peter Korfmacher, 31.03.07)

Ungeahnte Symbiose
[...] diese Begegnung des Gewandhausorchesters mit Neeme Järvi war eine Sternstunde, eine Demonstration des gegenwärtig außerordentlichen Niveaus des Leipziger Spitzenklangkörpers [...] eine ungeahnt spannende Symbiose [...]Schlüssig und konsequent lässt Järvi ausmusizieren - immer mit Sinn für das Wesentliche, und im Wechelspiel dennoch im besten Sinne intuitiv.
(Großes Concert am 12., 13. April 2007/Neeme Järvi, Brahms, Beethoven, LVZ Tatjana Böhme-Mehner, 14. 04.2007)

Sternstunde im Gewandhaus - Leonard Slatkin
[...] Leonard Slatkin steht am Pult des glänzend aufgelegten Gewandhausorchesters. Zusammen ergibt das eine faszinierende Symbiose [...] Boris Belkin ist ist der ideale Interpret [von Schostakowitschs Violinkonzert] [...]. Das Wechselspiel mit Dirigent und Orchester gerät grandios.
(Großes COncert am 19./20. April 2008/ Leonard Slatkin, Boris Belkin - Schostakowiotsch, Dvorák, Purcel/Britten, LVZ Tatjana Böhme-Mehner, 21. 04.2007)

Poetischer Zauber
[...] schließlich wird es mehr als eine Zugabe, weit mehr [...] das ist nicht nur Dreingabe fürs Jubeln, das bringt ein Konzert auf den Punkt [...] Es ist dieses G-Dur KOnzert das lichteste des Bonner Titanen. Hier ist es das melancholischste [...] Schon die pochenden Akkorde des Beginns weisen den Weg in eine unbekannte Welt [...] Die Musiker reagieren sensibel auf den AUsnahmepianisten, und sie zeigen, dass concerto eben nicht nur konzert heißt, sondern auch Übereinkommen. Hier besteht Übereinkunft darin, vieles anders zu machen - und doch klingt alles, als könne es gar nicht anders sein: tief und groß und wahrhaftig [...] Senstionell diszipliniertes, homogenes, reaktionsschnelles Blech [...] Schönberg setzt auf jene satten Ockertöne, die kauim ein Orchester so vollkommen zu setzen in der Lage ist wie das aus Leipzig. Bratschen, Celli, Englischhorn, Fagotte, Hörner - von überall her die reine Wonne.
(Großes Concert am 26., 27. April 2007/ David Zinman, Radu Lupu-Klavier, Perle, Beethoven, Schönberg/  LVZ, Peter Korfmacher, 28. 04 2007)

Expedition ins Herz der Wiener Klassik
[...] Disziplin und Kultur seines Anschalges verschaffen Staier ungeahnte Freiräume [..] Darum herum blühen die Holzbläser, setzen effektvolle Lichtpunkte gegen die Streicher eines Gewandhausorchesters, mit dem Herreweghe das gleiche Kunststück gelungen ist, wie Staier am Flügel: Dieser Mozart rastet so logisch, so sinnlich, so unmittelbar nachvollziehbar ein, dass alle Fragen nach Stahl- oder Darmsaiten, Bogenhaltung oder Material der Flöte obsolet werden [...] Die Hell-Dunkel-Kontraste in Beethovens Zweiter klingen elektrisierend.
(Großes Concert am 2./3. Mai 2007/ Philippe Herreweghe, Andreas Staier, Mozart, Beethoven, Haydn/  LVZ, Peter Korfmacher, 05. 05. 2007)

Wunderbare Dinge
Ein Hochgenuss und sicherlich ein Höhepunkt der gesamten zurückliegenden Konzertsaison. Besonders in der Sinfonie klang vieles so unmittelbar und lebendig, als spielten sie es zum ersten Male. Blomstedt orientierte mit Weitsicht auf das, was dahinter steckt und fand so das Neue im Vertrauten [...] Er führte die Musiker wie jemand, der fasziniert ist und ergriffen von der Schönheit eines langer gesuchten Schatzes.
(Großes Concert am 10., 11. Mai 2007/ Herbert Blomstedt, Brahms/ LVZ, Jörg Clemen, 12. 05. 2007)

Mittelstimmen-Erotik
Lebendig und doppelbödig musizierter Strawinsky [...] Chailly setzt nicht auf Nähmaschinenmechanik, auf die viele seiner Kollegen Pulcinella reduzieren, sondern auf Detailreichtum der Partitur [...] Die Gewandhäusler lassen in Petruschka nichts anbrennen. Gipfelstürmerei an allen Fronten [...] Entscheidend ist, was Chaily auch im sattsam bekannten Petruschka an Details, an Unerhörtem zu Tage fördert [...] Orchestrales Weltniveau ohne Wenn und Aber.
(Großes Concert am 17., 18. Mai 2007/ Riccardo Chailly, Marie-Claude Chappuis, Timothy Robinson, Simone Alberghini - Strawinsky/ LVZ, Peter Korfmacher 19.05.2007)

Gepanzerte Schönheit
Dunkel sind die klänge. Dunkel, weil Rihm auf die Geigen verzichtet. Dunnkle Farben, Brahms-Farben - Gewandhaus-Farben. Das Ergebnis ist musikalisch und emotional zwingend [...] CHailly geht Beethovens Violinkonzert gemessen an [...] Viviane Hagner, der Italiener und das Gewandhausorchester musizieren zusammen als hätten sie nie etwas Anderes getan [...] Elegant, durchhörbar, virtuos und doch ungeheuer intensiv - so intensiv, dass Hagner dringend wieder eingeladen werden sollte [...] Den kopsatz von Schumanns "Rheinischer" schießt CHailly sozusagen aus der Hüfte, rasant, dynamisch extrem, im Klangbild fast aggressiv [...] hinter der rheinschen Unbekümmertheit lauern Abgründe [...] Was für ein Orchester ! [...] Sie erfinden gemeinsam mit ihrem Chef bereitwillig mit jedem Takt das Rad wieder neu [..] Ein Meisterwerk, meisterlich aus einem Guss, reif für die Ewigkeit - darum kommt es demnächst auf CD heraus.
(Großes Concert  vom 31. Mai, 1. Juni/ Riccardo Chailly, Viviane Hagner, Violine - Rihm, Beethoven, Schumann/ LVZ, Peter Korfmacher, 02. 06.07)

Ein Weltbürger zu Gast. Charles Dutoit!
Technisch hervorragend und gut abgestimmt in Pendereckis "Concerto Grosso für drei Violoncelli": die Solisten Jürnjakob Timm und Chrisitan Giger sowie Wolgang Emanuel Schmidt. [...] Großes kompliment an die Holzböläser in Sibelius . Sinfonie, die den typischen Klang fanden und mit den sensiblen Streichern, fein abgestuftem Schlagwerk und einem an voluminöser Harmonie orientiertem Blech ausspielten.
(Großes Concert vom 21., 22. Juni 2007/ Charles Dutoit; Strwainsky, Penderecki, Sibelius/ LVZ, Jörg Clemen, 23. 06. 2007)

 
 

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