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Chorprojekt

Einmal in der Saison bringen der GewandhausKinderchor und das Ekky Meister Trio das Programm "Groß werden - das tägliche Chaos" zur Aufführung. Dabei geht es um das "ganz normale Leben" von Kindern und Jugendlichen, ihre Gedanken, Gefühle und Wünsche - umgesetzt in Musik und Texten. Die am Projekt beteiligten Schulklassen sammeln und schreiben Texte, steuern musikalische Ideen bei oder komponieren Teile des Programms sogar mit. In dieser Saison soll wieder ein Literaturwettbewerb Texte von Schülern entstehen lassen, die dann zwischen den Musiktiteln vorgetragen werden. Eine Jury, in der auch so prominente Leipziger wie der Musiker Sebastian Krumbiegel mitwirken, entscheiden über die schönsten, originellsten und besten Texte. Ein spannendes Projekt - und jedes Jahr anders.

Info: Kostenloses Projekt. Teilnehmer: 6. - 12. Klassen aller Schularten. Anmeldung erforderlich:Franziska Vorberger , Telefon 0341/1270-448

 

Groß werden - das tägliche Chaos - Folge 8  (Saison 11/12)

Samstag 5. Mai 2012, 20 Uhr Mendelssohn-Saal

GewandhausKinderchor

Frank-Steffen Elster

Ekky Meister Trio

Leipziger Schülerinnen und Schüler

Musik zu Texten von H. Hesse, R. M. Rilke, J. Ringelnatz, H. M. Enzensberger, dem GewandhausKinderchores und anderen

Bearbeitungen von bekannten Songs aus Musical, Rock und Pop. 

 

Groß werden - das tägliche Chaos - Folge 7  (Saison 10/11)

Mittwoch 29. Juni 2011, 20 Uhr Mendelssohn-Saal

Wir danken den Schülern des Reclam-Gymnasiums Leipzig und des Gustav-Hertz Gymnasiums Leipzig für die tollen, vielseitigen und sehr persönlichen Texte!

Ein besonderer Dank gilt außerdem den Schülern der Klasse 8 der Wladimir - Filatow Schule für ihren musikalische Unterstützung im Konzert!

 

Plätze 1-3:

1. Platz: Laura Rademacher

Träume ich, oder nicht, liebe ich, oder nicht, lebe ich, oder lebe ich nicht.

Was bin ich? Ein Mensch, ein Tier oder ein Monster. Nach der Meinung der Anderen, bin ich ein Monster.

Ein verwirrtes Monster, welches in den Kammern des Schreckens, die mein Leben zur Hölle machen, festgehalten wird. Ich komme nicht weg von hier, jeder Tag ist eine neue Herausforderung.

Doch ich bleibe, Tag für Tag. Woche für Woche. Monat für Monat. Es ist mir egal, was andere über mich denken. Viel zu sehr wird auf das Aussehen, Geld, Freunde geachtet und der Charakter verschwindet allmählich. Durch Schminke, wird das wahre Gesicht Desjenigen verändert. Man will unbedingt mehr als 1000 Freunde auf Facebook haben, alle Jungs der Schule sollen auf einen stehen, gute Noten sind irrelevant und am besten man hat noch reiche Eltern. Ich hab alles davon gehabt, ich war beliebt, ich hatte viele Freunde, viele Jungs, viel Ruhm. Doch dann geschah etwas, was ich mir nie hätte erträumen können. Ich hatte viel Fantasie, aber dass das jemals passiert und ohne mein wirkliches vollständiges Wissen, das wäre mir nie im Schlaf eingefallen.

Ich stand kurz vor dem Abitur, den ganzen Sommer hatte ich gelernt, konnte nicht einmal in den Urlaub fahren. Ich wollte unbedingt um jeden Preis ein gutes Abitur und meine Eltern auch. Ich hab überhaupt nicht gemerkt, wie unaufmerksam ich mit meinen Mitmenschen umgegangen bin. Sie waren einfach da und es war mir egal. Ich wollte besser sein als die Anderen. Das meine Schwester Probleme hatte, war für mich überflüssig, nebensächlich. Ich hab gedacht sie hatte wieder Liebeskummer, oder sie sei einfach traurig, weil unsere Oma an Brustkrebs gestorben ist. Das wird doch schon wieder vorbei gehen, ein, zwei Wochen und es ist wie früher.

Sie wollte immer etwas mit mir unternehmen, wollte raus fahren in die Berge, an die Ostsee, schwimmen gehen, und ich Dummkopf hab immer „Nein“ gesagt. Sie war immer sehr aufmerksam, ehrgeizig und sehr höflich. Luise war meine Schwester, wir dachten immer dasselbe, hatten die gleiche Stimme, das gleiche Lachen. Jeder der uns kannte wusste, dass wir unzertrennlich waren. Nachts, wenn ich in meinem Bett lag, stellte ich mir manchmal ein Leben ohne sie vor. Ohne die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wenn ich etwas nicht verstand, half sie mir, wenn ich nach Hause kam, war meistens lecker Kuchen auf dem Tisch oder Milchreis, sie wusste, dass ich von Milchreis nicht genug bekommen kann. Es ging nicht, ich konnte mir einfach kein Leben ohne sie vorstellen. Sie tat sehr viel für mich und ich nahm es in den letzten Tagen für so selbstverständlich hin.

Wir beide liebten stets den anderen mehr als uns selber. Aber was Luise getan hatte, war mehr als das. Wir erzählten uns alles, wie Schwestern eben. Wenn einer Probleme hatte,  wurde alles fallen gelassen und wir redeten Stunden lang. So eine tiefe Beziehung gibt es nicht unter Freunden, und schon gar nicht in der Schule. Die Freundschaften, die in der Schule entstehen waren nicht im Geringsten so wie unsere.

Ich hätte es merken müssen, sie wurde allmählich langsamer, zerbrechlicher, dünner. Das Ritual, abends immer noch eine leckere Nutella Schnitte zu essen, verschwand. Und doch ist es mir nicht bewusst geworden. Meine Eltern wussten davon, ich nicht. Ich glaube sie wollten mich nicht noch mehr verrückt machen, wegen dem ganzen Schulstress. Aber im Nachhinein verstehe ich, dass sie es mir eigentlich die ganze Zeit sagen wollten. Sagen wollten, dass Luise bald sterben wird. Und ich dann ganz alleine sein würde. Sie wussten, dass ich über den Tod meiner Schwester nicht hinweg kommen würde. Ich verstehe nicht, wieso Luise es mir nicht einfach ins Gesicht gesagt hat. Oder hat sie es? In meinem Kopf ist nur ein schwarzes Loch, mit vielen Fragen. Warum ich nicht? Wieso Luise? Wieso kein Anderer? Die Diagnose war Brustkrebs. Bösartig, sie gaben ihr maximal 5 Wochen noch, da er sehr aggressiv war. Das gleiche, wie bei meiner Oma. Ich war mir nie bewusst, dass ein Leben in ein paar Minuten zerstört werden kann. Man denkt immer, dass es einem nicht passiert und dann das. Auf einmal ist alles weg, wofür du jahrelang gearbeitet hast, 12 Jahre Schule. Und wieder denke ich nur an Schule. Nachdem meine Schwester starb, befand ich mich in einer sehr tiefen Depression. Keiner wusste genau, was mit mir war. Meine Eltern schickten mich zum Therapeuten, aber er konnte mir auch nicht helfen. Das Abitur war für mich gelaufen. Das einzige, was mir half, war die Schule. Nicht etwa, das Lernen, weil es einen ablenkt, sondern die Räumlichkeiten. Ich fühlte mich einerseits ihr so nah in der Schule, ging auf die Toilette, in der wir uns verewigt hatten und blieb da. Fünf, sechs oder sieben Stunden.  Anderseits machte es mich depressiv. Es war mir egal, ob jemand das komisch fand. Ich wollte sie spüren. Mich ihr nah fühlen. Und die Schule war der Bezugsort, schließlich spielt sich die ganze Kindheit in der Schule ab. Man bildet seinen Charakter auch ein Stück weit. Die Lehrer wollten mir noch eine Chance geben, weil sie von dem Unglück erfahren hatten. Meine Eltern bedankten sich sehr und trieben mich an, aber ich wollte nicht. Ich wollte einfach nur hier sitzen und mich ihr nah fühlen.

Die Tür geht auf, ein Mann steht im Raum und will die Toilette säubern. Mittlerweile kennt er mich schon und weiß auch, dass ich die Toilette nicht verlassen kann. Er hat sich daran gewöhnt, dass ich da sitze und die Augen zu habe. Doch ich bleibe nicht sitzen. Ich gehe raus. Er wundert sich. Das ist das erste Mal, dass ich weniger als 5 Stunden hier sitze. Die Meisten sagen, ich sei verrückt und dumm.

Aber ich fühle mich anders, lebendiger, freier, anders halt. Ich gehe die Treppen hoch, keiner außer dem Hausmeister ist mehr in der Schule. Der Wind weht in meinem Haar, ich habe einen fantastischen Ausblick auf die Stadt. Im Sommer sind Luise und ich meistens heimlich hier hochgeklettert und haben uns gesonnt und die Aussicht genossen.

Ich will zu ihr. Alle meinen immer es geht nicht, sie kommt nicht wieder.

Doch. Denn ich gehe zu ihr. Ich will nicht länger warten. Ich hab schon zu viel Zeit gebraucht, bald wir der Hausmeister hier sein.

Einen Schritt, einen Schritt, der mich zu ihr bringt. Zu meiner Schwester. Endlich, nach so langer Zeit. Ich höre ihr Lachen schon förmlich in meinem Ohr. Ich komme, Luise. Ich komme. Einen Schritt, sage ich, einen Schritt.

 

2.Platz: Laura Rosenbaum

Das Kind in Dir


Mit großen, runden,

unschuldigen Kinderaugen

schaust du die Erwachsenen

zuckersüß an.

 

Ein Lächeln mit deinen

Milchzähnchen

macht ihre dunklen Tage

wieder hell.

 

Wenn sich deine

kleinen Hände

in ihre großen legen,

durchfährt sie ein Glücksgefühl.

 

Dein kleines Herz

nur durch Fröhlichkeit bewegt.

und deine Tränen

nur Abwechslung vom Lachen.

 

Doch wenn du älter wirst,

dich auf den Weg

zum Erwachsensein begibst,

dann verändert sich

dein Herz für kurze Zeit.

 

Plötzlich ist die erste Liebe,

die Kleidung – das Outfit – ,

die Partys und die Freunde

wichtiger als dein restliches Leben.

 

Herzschmerz, Verrat,

Streit, Hass und Angst

davor nicht zu genügen,

erschüttern dein einst

unschuldiges Herz.

 

Schwere, steinige,

fast unüberwindbare

Wege des Lebens

musst du überwinden.

 

Hast du später die Brücke

zwischen Kindheit und Erwachsensein

überquert,

findet dein reines Kinderherz

wieder mit deinem jetzigen reiferen Herzen

zusammen.

 

Du weißt, dass dein Leben

jetzt erst richtig anfängt.

Und doch hast du das Gefühl

schon ein ganzes Leben

hinter dir zu haben.

 

So viel ist passiert.

So viele Prüfungen

musstest du bestehen.

Und so viele Erinnerungen

verbinden dich mit

dem Weg deiner Selbstfindung.

 

Doch wenn du glaubst,

dass diese Zeit mit

all seinen Hürden

das Kind in dir

vollkommen verbannt hat,

dann irrst du dich.

 

Denn das Kind in dir

wird durch keine

Zeit der Welt

erwachsen werden…

 

3. Platz: Roxana Schunk und Lena Hänisch  

30. Mai 2040

 

Auf meinem Kalender steht mit großen Buchstaben das Wort: Mathe-Klausur geschrieben. Wie sehr habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet. Doch heute fällt in ganz Saarland der Unterricht aus.

Eigentlich ein Grund zur Freude, stattdessen sitze ich hier in meinem Zimmer, blase Trübsal und starre aus dem Fenster. Ich schalte den Fernseher ein, auf jedem Programm das gleiche: Nachrichten, es sind nicht die normalen Nachrichten, nicht wie sonst. Ich kann es nicht mehr sehen, nicht mehr hören, will nicht mehr daran denken. Meine Augen brennen und wieder laufen Tränen über mein Gesicht. Alles tut mir weh. Das Blut hämmert gegen meine Schläfen, meine Arme und Beine sind schwer.

Neben mir auf dem Bett liegt mein Koffer. Er ist vollgestopft mit Klamotten.

Mein Zimmer ist ein einziges Chaos. Noch gestern Abend habe ich mit meiner Mutter deswegen gestritten. So wie immer sind wir dann auf das Thema Schule übergegangen. Ich würde ja nichts machen, würde nur feiern gehen und ja sowieso nur schlechte Noten bekommen.

Aber heute ist alles anders. Der Streit ist egal, alles ist egal, nichts ist mehr wichtig, außer, dass wir zusammen halten.

Ich gehe ins Wohnzimmer, schaue mir alles nochmal ganz genau an; den Rotweinfleck an der Wand, wegen dem ich zwei Wochen Hausarrest bekommen hatte, den Teppichboden, den wir im Sommer gegen Laminat tauschen wollten.

Ich merke, wie sehr ich das alles vermissen werde. Vor allem mein zu Hause, meine Freunde, ja sogar die Schule wird mir fehlen.

Ich stehe im Wohnzimmer, gehe auf das Radio zu, schalte es an und da ist es wieder: das Wort, bei dem ich Gänsehaut bekomme; Super-Gau. Niemand kann wirklich erklären, was es heißen soll und doch sprechen sie alle davon. Keiner kann sagen, was passieren wird, wie es weiter gehen soll.

Das, was man im Radio zu hören bekommt beunruhigt nur noch mehr;

Saarland soll innerhalb von 24 Stunden evakuiert werden. Alle Einwohner sollen schnellstmöglich ihre wichtigsten Sachen packen und verschwinde und niemals wieder zurückkehren - nach Hause.

Auch meine Familie wird fliehen. Vor dem Feind, dem unsichtbaren Feind. Wenn Mama wieder kommt, brechen wir auf. Wir fliegen nach Mexiko, werden versuchen uns dort ein neues Leben aufzubauen. In einer halben Stunde wollte Papa noch mal vorbei kommen, mich noch ein letztes Mal in den Arm nehmen. Er wird mit seiner Neuen und der Kleinen in die USA ziehen. Weit weg von Mexiko, doch wenigstens noch derselbe Kontinent.

Ich habe Angst, Mama hat Angst, sogar Papa hat Angst. Die ganze Welt zittert. Was wird kommen?

Keiner weiß es.

Ich gehe zurück in mein Zimmer, krame mein Tagebuch aus dem Schrank, schlage es auf und sehe all die Fotos von Maya, meiner besten Freundin und mir. Wieder diese verdammten Tränen. Wahrscheinlich werden wir uns nie wieder sehen. Auch Bruno werde ich nie mehr in die Arme schließen können. Ich werde die ewig dauernden Diskussionen und die darauffolgenden Versöhnungen vermissen Ich fange an zu weinen, werfe mich auf mein Bett und drücke mein Gesicht ins Kissen.

Wie konnte das alles passieren? Wieso musste man sich überhaupt auf Atomkraft einlassen?

Man sagt der Unfall sei auf menschliches Versagen zurückzuführen, doch es war nicht der Unfall, bei dem die Menschen versagten, es war der Anfang der Atompolitik, mit dem die Gesellschaft anfing sich selbst zu gefährden und zu zerstören. Hat jemals jemand darüber nachgedacht, was alles hätte passieren können? Scheinbar nicht, denn, mit dem was gerade passiert hat keiner gerechnet.



Ausgewählte Texte für das Konzert:

 zu den Texten (PDF 30 kB)

 

Eingesandte Texte:

 zu den Texten (PDF 89 kB)

 
 

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