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Kuscheltiere auf den Flügeln

Nach zwei Stunden ist alles vorbei, leert sich der Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses am Samstagabend nur langsam, hüpfen Vor- und Grundschulkinder fröhlich heimwärts: Operation „Soundcheck" gelungen. Soundcheck- das Musikvermittlungsprogramm im Gewandhaus - hat in dem Projekt „Karneval der Tiere" Schülerinnen und Schüler der Leipzig International School, der Grundschule Gundorf und der Musikschule „Johann Sebastian Bach" Leipzig mit Profis zusammengeführt (Gesamtleitung: Franziska Vorberger).

Drei Monate lang entwarf und fertigte die dritte Klasse der Grundschule Gundorf unter Anleitung von Studierenden des Kunstpädagogischen Instituts der Universität Leipzig Masken und Kostüme, derweil sich Schüler und Lehrer der vierten Klasse der Leipzig International School mit dem Leipziger Autoren Gunter Preuß trafen, um eigene Texte rund um den Karneval der Tiere zu schreiben, oder mit vier Gewandhausmusikern, um an eigenen Kompositionen zum Thema zu arbeiten. Und etliche Musikschüler studierten auf ihren Instrumenten Werke ein, die „Tiere in der Musik" thematisieren.

Das alles wird nun im Konzert präsentiert. Ausverkauft ist der Saal, aufgeregtes Schnattern erfüllt vor Beginn die Luft. Wenig später wird es mucksmäuschenstill. Denn dann gibt es im ersten Programmteil Kammermusik mit Klavier, Violinen, Flöten und Akkordeon von den Musikschülern sowie Schüler-Texte rund um Biene, Schmetterling & Co., lauscht das junge Publikum gebannt und lässt sich vom Harlekin alias Lukas Kubik, Schauspieler am Leipziger Theater der Jungen Welt, durchs Programm führen.

Nach der Pause sind die beiden Flügel mit Kuscheltieren dekoriert, gibt es den „Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens im Original mit Ergänzungen der Schüler der International School in Wort und Ton, prozessieren, schleichen, hüpfen, tanzen Kinder in phantasievollen Tierkostümen auf der Bühne und durch die Zuschauerreihen. Ein richtig tolles Spektakel ist das: von Kindern für Kinder.

Dabei ist das Konzert als Kammermusik mit Katia und Marielle Labèque, dem Gewandhaus-Quartett und weiteren Gewandhausmusikern angekündigt. Die sitzen im zweiten Teil auch tatsächlich auf der Bühne und halten sich doch ganz bescheiden im Hintergrund. Dabei klingt es so fabelhaft und quicklebendig, wenn die Pianisten-Schwestern Labèque, die diesjährigen Artists-in-Residence des Gewandhauses, in die Tasten greifen. Da kichern die Kinder vor Vergnügen, wenn die Klarinette munter gackert, die Violinen die Persönlichkeiten mit langen Ohren i-ahen lassen. Freuen sich, wenn das Cello die eleganten Bewegungen des Schwanenmädchen feinfühlig auf den Saiten malt. Jubeln, als alle kleinen Künstler im Finale auf der Bühne tanzen, haschen nach den Kuscheltieren und Bonbons, die im hohen Bogen in die Zuschauerreihen fliegen, sind restlos begeistert. Und haben so ganz nebenbei eine große Portion abbekommen von klassischer Musik, wie sie sein soll: großartig musiziert.

Von den Großen für die Kleinen. Für jetzt und für später.

Birgit Hendrich

(Leipziger Volkszeitung, 31.05.2010)

 
 

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